Ludwig Thoma, der »Cato von Miesbach«

Seine »Lausbubengeschichten« oder den »Münchener im Himmel« mochte ich. Bis ich eines Tages Artikel des späten Ludwig Thoma (*21. Januar 1867) aus einem bayrischen Provinzblatt in die Hände bekam. Thoma hat sich im Ersten Weltkrieg vom Simplicissimus-Autor und Satiriker, der Kirche und Spießertum auf‘s Korn genommen hatte, zu einem konservativen, deutschtümelnden Patrioten mit Juden-Obsession gewandelt. Die Berliner Volkszeitung nannte ihn den »Cato von Miesbach«, der seine Hetzartikel mit der Mistforke schreibe und daraus keinen Hehl mache. In der Tat:

Crossdressing 1.0

Eine junge Frau um 1900, die als Mann verkleidet mit Schnurrbart, als Junge mit Schiebermütze und Kippe, als Ehemann eines Typen in Frauenkleidern oder als Verehrer einer eleganten Angebeteten in einem Ruderboot spitzbübisch in die Kamera grinst… Fotos der Norwegerinnen Bolette Berg & Marie aus einer Zeit, in der für Frauen „Kinder, Küche, Kirche“ vorgesehen war

Der koschere Wagner

»Mendele Lohengrin«, eine 1898 geschriebene tragikomische Erzählung um einen armen Klezmer-Musiker, der sich unsterblich in die Musik Richard Wagners verliebt, kommt derzeit in München als Singspiel zu neuen Ehren. Ihr Autor, der Publizist und Zionist Heinrich York-Steiner, der zur Wiener Intellektuellen-Szene und zum engsten Umfeld Theodor Herzls gehörte, ist hingegen nahezu vergessen.

Mann mit Katze

Er hätte auch den bösen Buben in einem James-Bond-Thriller spielen können. Aber seine »Liebesgrüße aus Moskau« waren anderer Art: Juri Walentinowitsch Knorosow hat im Alleingang den Maya-Code geknackt, vom Schreibtisch aus und ohne je einen Fuß in die Gebiete der untergegangenen Zivilisation gesetzt zu haben.