
„allons, enfants de la patrie, le jour de gloire est arrivé!…“ – am 14. juli 1795 wird die marseillaise französische nationalhymne
zurück geht sie auf das revolutionsjahr 1792. kaiser leopold II. rüstete zum krieg gegen frankreich, am 20. april erklärte die gesetzgebende nationalversammlung in paris österreich, preußen und deren verbündeten den krieg, und vier tage später schrieb joseph rouget de lisle seinen kampfgesang für die rheinarmee. diese erste version wurde anonym in straßburg gedruckt und über clubs im elsass verbreitet; wegen der fehlenden autorenangabe ist rouget de lisles urheberschaft auch immer wieder angezweifelt und die hymne allen möglichen verfassern zugeschrieben worden; aber da es damals keine urheberrechte gab und jeder von jedem geklaut hat, wird sich das wohl nicht mehr endgültig klären lassen.
im august 1792 übernahmen jedenfalls die föderierten freiwilligen von marseille die hymne (daher ihr name). sie sollten den sturz der konstitutionellen monarchie unterstützen, die revolution und den terror beenden und sangen dieses lied, das bald auch in paris so populär war, dass es nachgedruckt wurde und françois-joseph gossec ein paar schwachstellen in der partitur ausbesserte und eine harmonisierung für orchester erarbeitete. diese version wurde 1793 per beschluss zur offiziellen hymne und am 14. juli 1795 in erinnerung an den sturm auf die bastille genau sechs jahre zuvor schließlich zur „nationalhymne“ erklärt.
die marseillaise verbreitete sich rasend schnell in ganz europa, wurde während der restauration in frankreich aber wieder verboten. zu neuer popularität gelangte sie nach dem ausbruch der revolution von 1830, als hector berlioz eine orchesterfassung schrieb, die er de lisle widmete. 1879 erklärte man sie erneut zur nationalhymne und im jahr darauf den 14. juli auch zum nationalfeiertag. seitdem ist „la marseillaise“ ohne weitere unterbrechungen die offizielle französische hymne.
und alle seiten bedien(t)en sich ihrer – die protagonisten des vichy-regimes wie ihre gegner, die partisanen im französischen algerien wie die soldaten general de gaulles, die front national wie la gauche moderne.
natürlich sangen auch die freiheits- und arbeiterbewegten aller welt – zum teil mit umgedichtetem text – bei allen möglichen anlässen die marseillaise (meine mutter beim abwaschen), bis die sowjets die „internationale“ an die spitze der charts der arbeiterkampflieder setzten. aber kann es etwas schöneres geben als die gänsehaut-szene in „casablanca“, in der die exilanten in rick‘s café die „wacht am rhein“ der nazis mit der marseillaise niedersingen?!
als der film 1943 erschien, hatte sich stefan zweig, der in „sternstunden der menschheit“ auch über die entstehung dieses „ewigen liedes“ und seinen „höchst unberühmten schöpfer“ de lisle schreibt, auf der flucht vor den nazis schon umgebracht. „das genie einer nacht“, hier online: https://www.projekt-gutenberg.org/…/sternstu/chap005.html
