
disconto-gesellschaft kleiststraße 23, ecke wittenbergplatz. tatort des spektakulärsten banküberfalls der vorkriegszeit, ausgeführt von den sass-brüdern.
franz (*1904) und erich (*1906) sass wuchsen mit zwei weiteren geschwistern bei ihren eltern (der vater schneider, die mutter wäscherin) in einer 1-zimmer-hinterhaus-wohnung in der lübecker/ecke birkenstraße in moabit auf. mitte der 20er jahre begann ihre karriere. zur tarnung betrieben sie eine autowerkstatt, ansonsten knackten sie eine bank nach der anderen und versuchten es, wie beim finanzamt moabit. die brüder setzten als erste erfolgreich einen schneidbrenner als einbruchswerkzeug ein, verletzten bei ihrer arbeit nie jemanden, waren im alltag auffallend gut gekleidet und höflich und steckten, so die legende, nach ihren brüchen geldscheine in die briefkästen armer nachbarn.
ihr größter coup: der einbruch in die o.g. bank der disconto-gesellschaft, die als sicherste der welt galt. franz und erich buddelten sich im kalten januar 1927 an mehreren wochenenden einen tunnel und drangen endlich durch den lüftungsschacht bis zum tresorraum vor. sie räumten 180 schließfächer aus, wert: über zwei millionen reichsmark (am tatort blieben nur zwei leere weinflaschen zurück). die presse und die berliner bejubelten die einbrecher frenetisch (sie tauchen auch in erich kästners „emil und die detektive“ auf), die polizei suchte fieberhaft nach ihnen. endlich, u.a. weil einem kommissar die „handschrift“ bekannt vorkam, wurden die brüder 1929 verhaftet, mussten aber mangels beweisen wieder freigelassen werden, worauf sie bei lutter & wegner am gendarmenmarkt gut gelaunt eine große pressekonferenz abhielten.
in der folge verhielten sie sich aber ruhig und setzten sich 1933 mit gefälschten papieren sicherheitshalber nach kopenhagen ab (in berlin kursierte der witz: „wer hat den reichstag angezündet? – die brüder SA, SS.“). in dänemark versuchten sie sich durch weitere einbrüche über wasser zu halten, wurden dann aber in einem indizienprozess erstmalig verurteilt und nach der haftzeit an deutschland ausgeliefert. kurz nach der ankunft im kz sachsenhausen wurden franz und erich sass im märz 1940 „auf befehl des führers erschossen“. die beute aus dem disconto-bruch (geld, gold, schmuck, wertpapiere und das originalmanuskript von wagners tristan und isolde) wird im grunewald vermutet und bis heute gesucht.
