Tretbilder

絵踏み „efumi“, das bild-treten war in japan seit dem beginn des 17. jahrhunderts eine methode, anhänger des christentums ausfindig zu machen. leute, die verdächtigt wurden, christen zu sein, dies aber abstritten oder denen man nicht abnahm, dass sie, wie sie behaupteten, dem christlichen glauben abgeschworen hatten, mussten zum beweis vor beamten auf einem bild mit christlicher ikonographie herumtrampeln (wer sich weigerte, wurde hingerichtet). die speziell dazu angefertigten tretbilder – fumie 踏み絵 – zeigen zb. die jungfrau maria oder jesus am kreuz und waren anfangs gemalt. weil sie sich natürlich schnell abnutzten, wurden später stattdessen nur noch flache stein-, holz- oder bronzereliefplatten verwendet.
in japan hatte es christliche gemeinden gegeben, nachdem 1549 die ersten jesuiten ins land gekommen waren und einen teil der bevölkerung erfolgreich missioniert hatten. in einigen gegenden wurde das in den folgenden jahrzehnten toleriert, aber im zuge der blutigen reichseinigung kreuzigte oder verbrannte man auch mal gern christen oder warf sie in kochend heiße quellen. 1613 folgte das landsweite verbot des christentums und 1639 wurden alle missionare der römisch-katholischen kirchen und die portugiesischen kaufleute (die sich bis dahin eine goldene nase mit dem handel von rohseide verdient hatten) endgültig ausgewiesen. die inzwischen christlichen japaner mussten dem glauben abschwören, um am leben zu bleiben (dann galt man als „korobi kirishitan“, als „umgefallener christ“ und wurde samt familie über sieben generationen von behörden überwacht). das bild-treten war für diese menschen quasi eine lebenserhaltenden pflicht, die in jedem jahr am achten tag des ersten monats wiederholt werden und bei der die komplette familie vor einer art „inquisitor“ mittreten musste (die „zeremonie“ taucht in den berichten zeitgenössischer japanreisenden auf und ging auch in die literatur ein – etwa in swifts „gullivers reisen“ und voltaire „candide“). für zwei jahrhunderte bekannte sich jedenfalls niemand mehr öffentlich zur römisch-katholischen kirche – bis zur öffnung japans gegenüber westlichen staaten und deren druck auf die japanischen behörden. das bildertreten wurde am heutigen 12. februar im jahre 1858 offziell abgeschafft (und das verbot des christentums 1873 endgültg aufgehoben). die tretbilder wurden größtenteils eingeschmolzen; der begriff „efumi“ wird heute im sinne von „loyalitätsprobe“ benutzt.

Hinterlasse einen Kommentar