
#pioniere gestern gelernt, dass es drei in berlin und leipzig ausgebildete buch- und schriftgestalter waren, die das grafikdesign israels geprägt haben.
• franziska baruch (1901–1989) schuf holzschnitte, aquarelle, druckschriften für den schocken-verlag, zwei der ersten modernen hebräischen schrifttypen, die „stam“ und die „schocken“, gebäudeinschriften u.a. für erich mendelsohn, nach der emigration nach palästina aber auch den bekannten titel der tageszeitung „haaretz“, das wappen jerusalems und den einband der (alten) israelischen reisepässe…
• henri friedlaender (1904–1996) arbeitete für die verlage insel, querido und schocken, lebte während der besatzung versteckt in holland, leitete ab 1950 die hadassah-druckereischule in jerusalem, unterrichtete an der bezalel kunstakademie, schuf die einzigartige „hadassah-druckschrift“ und erste hebräische schriften für IBM-schreibmaschinen…
• moshe shpitzer (1900–1982) war assistent für martin bubers bibelübersetzungen bei salman schocken, später zuständig für die „bücherei des schocken verlags“ und nach seiner emigration direktor einer schriftgießerei in jerusalem, der neue schrifttypen für das hebräische entwickelte und mit seinem verlag „tarshish“ die buchgestaltung im jungen israel prägte…
alle drei waren stark von bauhaus und werkbund beeinflusst und konnten sich vor allem dank der verlegerfamilie schocken, der an einer zeitgemäßen modernen formensprache für ihre hebräischen und jiddischen drucke gelegen war, entfalten. auf den ersten blick mag ihre leistung nichts spektakuläres sein, aber wenn man bedenkt, auf welch dürftigem stand der hebräische buchdruck noch am anfang des 20. jahrhunderts war (minderwertige, schlecht lesbare schriften, mieses papier und lieblose gestaltung, besser gesagt: nicht-gestaltung d.h. eine, die nicht auf ein zusammenspiel von form und inhalt achtete), ist sie nicht hoch genug zu schätzen. die drei haben einen eleganten, reduzierten, schlichten und zeitlosen stil hervorgebracht und eine „lesbarkeit“, die vorbild für generationen von typografen und buchgestaltern wurde und von der wir als leser/innen noch heute profitieren.
