
die kakadu-bar war ein legendärer amüsiertempel ecke joachimsthaler straße (nr. 10) und ku‘damm, dort, wo heute das gesichtslose allianz-hochhaus steht.
bis 1890 gab es auf dem noch leeren gelände tribünen für 10000 zuschauer, die hier zuletzt die wild west show von buffalo bill mit cowboys, indianern und pferden bestaunt hatten. dann wurde das areal bebaut und u.a. zog eine weinhandlung an der ecke ein, aus der nach dem ersten weltkrieg die kakadu bar hervorging. anfangs noch recht bescheiden (u.a. saß hier mischa spoliansky am klavier, und trude hesterberg gab kleine chansonabende), wurden die räume in den 1920er-jahren vergrößert. zb. gab es im kakadu nun auch ein vegetarisches restaurant.
1923 übernahm der impresario georg tichauer den betrieb, später sein bruder dagobert. der ließ ihn 1928 nochmal von oskar kaufmann und richard wolffenstein umbauen und vergrößern. danach präsentierte sich der kakadu mit gelber fassade, rotbraunen fenstern, großen leuchtschriftlettern, einem im vergleich dazu etwas schwülstigem interieur, freiem eintritt und mit der – laut eigenwerbung – längsten bar europas. und mit den lautesten gästen. jedenfalls beschwerten sich die nachbarn über den nächtlichen lärm der betrunkenen besucher und der jazzkapellen.
außer suff, tanz und kabarett wurde hier „warme küche bis 3 uhr nachts“ und prostitution geboten. konrad kaemmerling aka curt moreck schreibt von der rotlichtatmosphäre, von logen, knutschecken und animiermädchen mit kurzen röcken und haaren.
das publikum – bunt gemischt: künstler, börsenhändler, touristen, abenteuerlustige berlinerinnen, halbwelt, vor allem reichlich begüterte geschäftsleute. der „berliner herold“ ulkte: „sage mir, wann deine aktiengesellschaft aufsichtsratsitzung hatte, und ich will dir sagen, wann du im kakadu warst“.
die kakadus im kakadu wußten das aber auch. denn über jedem tisch saß ein dressierter papagei in einem käfig, und rief auf ein signal der gäste hin (sie mussten an ein glas klopfen) nach der rechnung.
um der wachsenden konkurrenz zu trotzen, engagierte tichauer immer neue attraktionen: akrobaten, schnellzeichner, humoristen und diverse jazz- und swingkapellen, so die von max herrnsdorf und michael jary.
georg tichauer betrieb zudem das barberina kabarett in der hardenbergstraße, das wie ein barocktheater eingerichtet war, und dessen künstler nachts auch bei seinem bruder im kakadu auftraten. einer der höhepunkte in den frühen 1930ern war ein spiegel-tanz, in dem das duo eva von sacher-masoch und hede merman provokant mit geschlechterrollen und sexualität spielte (sacher-masoch floh 1934 aus berlin, heiratete später den britischen offizier robert glynn faithfull und bekam eine tochter: marianne faithfull.)
zur olympiade 1936 war die kakadu bar noch mal ein riesenerfolg bei den ausländischen besuchern.
dann musste tichauer, weil jude, die bar abgeben. die wurde erst arisch-banal zur „weinstube“, anschließend zu einer konditorei, im krieg dann zur herberge für „arbeitsmaiden“ des reichsarbeitsdienstes und am ende von bomben zerstört.
