Kupferhäuser  aus dem Messingwerk

die aus halberstadt stammenden brüder joseph und gustav hirsch hatten in heegermühle (heute finow/eberswalde) 1863 vom preußischen staat ein messingwerk gekauft und es zu einem der größten industriebetriebe der region entwickelt. um das werk herum entstand ein dorf, das nach der fabrik »messingwerk« genannt wurde. die oberschicht des dorfes bestand, bis auf eine christliche familie, aus orthodoxen juden. gustav hirsch (in der ehemaligen villa der familie wurde 2006 auf einem balkon noch eine sukka entdeckt), achtete streng darauf, dass alle jüdischen mitarbeiter sich an den schabbat hielten, so der ehemalige obermeister robert hensel in seinen erinnerungen. für sie gab es eigene beträume in der ziegelei in der altenhofer straße (heute neuapostolische kirche) und auf dem werksgelände. hier entstand auch der »messingwerkkreis«, einer der motoren der zionistischen jugendkultur in deutschland. dem kreis gehörten unter anderem die aus orthodoxen messingwerk-familien stammenden pinchas rosen (felix rosenblüth) und moses calvary an. rosen wurde später erster israelischer justizminister, calvary (ein enkel von esriel hildesheimer, gründer des orthodoxen rabbinerseminars in berlin) war der pädagogische kopf der jüdischen »blau-weiß«-jugendbewegung. 

ab ende der 1920er jahre experimentierte die hirschs (nun auch gustavs sohn aron) mit vorfabrizierten bauelementen aus kupfer. sie produzierten wandelemente aus geprägtem stahlblech für die innenseite und einer kupferhaut für die fassade sowie kupferbleche mit rautenmuster für die dächer; allesamt leichte, einfach zu transportierende bauelemente für eine schnelle montage und demontage (die häuser sollten laut eigenwerbung von sechs arbeitern in 24 stunden aufzubauen sein).
zusätzlich zu der werkhaussiedlung (1913 bis 1917 von paul mebes und paul emmerich gebaut) wurden 1931 links und rechts der altenhofer straße sieben musterhäuser mit namen wie »kupfercastell«, »juwel« und »frühlingstraum« aufgebaut und zur probe bewohnt. bewohnt sind sie noch heute, wenn auch teilweise per eigenbau recht abenteuerlich verändert. obwohl die kupferhäuser 1931 in paris mit einem »grand prix« ausgezeichnet wurden, meinten kritiker, durch die metallwände würde es einen hitzestau geben und die architektonische ausführung sei altmodisch. flugs wurde walter gropius engagiert, der aluminiumtafeln anstelle des stahlblechs im innenbereich anbringen ließ und die häuser zudem auch optisch veränderte. der ein-geschossige »gropius-typ« ist in eberswalde leicht daran zu erkennen, dass er das einzige der modellhäuser ist, das noch sein kupfer(zelt)dach besitzt.
durch die auswanderung deutscher juden in der ns-zeit stieg der bedarf an wohnraum in palästina immens an und ebenso das interesse an vorfabrizierten häusern, die sich für den export dorthin eigneten. die kupferhäuser wurden nun auch, leicht verändert, unter namen wie »haifa«, »jerusalem« oder »sharon« angeboten. »haifa« ließ sich beispielsweise in 34 paketen mit einem gesamtgewicht von 15313 kg verpacken, und ende 1933 waren die ersten von 14 häusern in der nähe von tel aviv und haifa bezugsfertig. 

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