
um der wieder mal umgehenden nominierungsgrippe (poste 7 bücher, die dich ganz furchtbar beeindruckt haben und sag nix dazu) zu entgehen, poste ich lieber gleich mein einziges in frage kommendes und sag was dazu: das telefonbuch von island. es gibt nur eins und die einträge sind nach vornamen sortiert. wenn du also den blonden gunnar von neulich suchst, einfach die 90 seiten gunnars durchblättern und schon haste ihn. oder nicht. die isländer sind in der beziehung nicht übermäßig einfallsreich: 1703 war der häufigste vorname „jón“, 1855 auch, 1995 ebenso und 2015, überraschung: immer noch (gefolgt von sigurður und unserem freund gunnar; bei den mädchen: guðrún, anna und sigriður).
es gibt für die 350000 isländer allerdings auch nur rund 3500 zugelassene namen. wer dem kind unbedingt einen verpassen will, der (noch) nicht auf der liste steht, muss einen antrag bei der „menschennamenkommission“ stellen, sonst wird der nachwuchs halt nicht registriert. null chancen haben dabei namen, die nicht konjugierbar sind, nicht in der isländischen version geschrieben sind oder ein c, w oder z enthalten (die buchstaben hat das islandische alphabet nicht). ausnahmen werden nur für ex-ausländer gemacht – so bei den eingebürgerten vietnamesischen boat peoples oder bei promis wie wladimir aschkenasi oder bobby fisher. keine gnade hingegen für bio-isländer. so liest man von einem seit jahren andauernden streit um eine harriet und einen duncan, die behördenseits bis heute nur als „junge“ und „mädchen“ registriert sind und denen – inzwischen sind sie groß – die pässe verweigert werden.
eigentliche nachnamen gibt es aber auch nicht so richtig bzw. zeigen die nur an, wer dein vater und was dein geschlecht ist – durch die endung -dóttir für eine tochter bzw. -son für einen sohn (keine ahnung, wie es bei transen gehandhabt wird). gunnars sohn würde jedenfalls hinten gunnarson heißen und sigurdóttir wäre die tochter vom sigur. logischerweise wechseln dadurch die nachnamen in jeder generation (es sei denn der sohn hat zufällig den gleichen vornamen wie papa). und da frauen bei der heirat ihren namen behalten, hat die statistische durchschnittsfamilie – vater, mutter, tochter, sohn – vier verschiedene nachnamen. und weil man sich anders als früher statt nach dem vater (wegen der möglichen spekulationen über den kindsvater) heutzutage auch nach der mutter nennen kann (wie der fußballer heidar helguson nach seiner mutter helga), und man außerdem einmal im leben von vaters- zu muttersnamen oder umgekehrt wechseln darf, ist das wirrwarr komplett, zumindest, wenn man kein inselahnenforscher ist oder gunnars genaue adresse nicht weiß. eine chance, ihn trotzdem zu finden, hat man aber noch: falls man seinen beruf kennt. wenn nicht, auch egal, aber unterhaltsam: weil berufsbezeichnungen anders als namen frei wählbar sind und man deswegen im isländischen telefonbuch neben den ganzen fischern und schafszüchtern so auch ordentliche berufe findet – wie ninja, yedimeister, könig, prinzessin, vampir, superautofahrer, einhornzüchter, geisttöter, meerjungfrau, genie, casanova, mama usw. (mein gunnar ist aber, glaube ich, onomatologe:) #símaskrá
