Schattenfüßler

dachte erst an mittelalter-yoga. aber bei den gelenkigen herren handelt es sich um mono- bzw. skiapoden (ein- bzw. schattenfüßler) – fabelwesen mit einem riesigen bein, mit dem sie superschnell rennen und springen können. und da sie extrem blass und lichtempfindlich sind, legen sie sich mittags auf den rücken und nutzen ihren riesenfuß als sonnenschirm.

die jungs kommen schon 414 v.u.z. in aristophanes stück „die vögel“ vor; laut hekataios von milet wohnen sie in libyen; laut plinius dem älteren in indien. und im 4. jahrhundert erwähnt augustinus ihre existenz in „de civitate dei“ und diskutiert ihre herkunft unter dem titel „ob bestimmte monströse rassen von männern von adam oder noahs söhnen abstammen“.

dann haben sich die einbeinigen söhne anscheinend nach grönland aufgemacht. denn in der saga von erik dem roten aus dem 11. jahrhundert treffen thorfinn karlsefni und seine gruppe isländischer siedler (ziemlich aggressive) einbeiner in nordamerika an (und auf einer karte von claudius clavus von 1427 sind „unipedes maritimi“ in grönland vermerkt).

aber in der mitte des 14. jahrhunderts behauptet jehan de mandeville in einem fiktiven reisebericht wiederum, die schattenfüßler würden in äthiopien wohnen. und sein kollege johannes will sie zur etwa gleichen zeit in indien gesichtet haben. er hat aber auch schon eine weltlichere erklärung. von seinen tatsächlich stattgefundenen indienreisen schreibt er, es gäbe nämlich keine solchen monster, „aber da alle indianer normalerweise nackt sind, haben sie die angewohnheit, ein kleines zeltdach an einem stock zu tragen, das sie bei sonne und regen zum schutz öffnen. dies nennen sie chatyr; ich habe einen mit nach florenz gebracht. und das ist es, was die dichter in einen fuß verwandelt haben…“

der bostoner religionswissenschaftler carl ruck bietet eine weitere variante an. er meint, die darstellung von monopoden beziehe sich auf aja ekapad („nichtgeborener einzelfuß“), ein beiname von soma, einer botanischen gottheit aus indien, und der einzelfuß würde eigentlich den stamm einer pflanze oder eines pilzes darstellen. 

es kann aber auch sein, dass der mythos über das riesenbein aus der verbreitung einer krankheit, der endemischen elephantiasis, in afrika entstanden ist oder aber aus einer fehlinterpretation der praxis indischer yogis, die manchmal auf einem fuß meditieren – womit wir doch wieder beim yoga wären:)

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