Die Textilkünstlerin Anni Albers


anni albers *12.6.1899. ihre textilkunst mag ich sehr. enkelin von leopold ullstein, 1899 in charlottenburg als anni fleischmann geboren, studium am bauhaus weimar und dessau, das sie erst beim zweiten anlauf zuläßt und als frau auch nur in der textilklasse: »das schicksal hat mir schlaffe fäden in die hand gegeben«. aus den schlaffen fäden entstehen bald große kunstwerke, nicht mehr in der figuralen europäischen knüpftradition, sondern originär, abstrakt, zunächst inspiriert von ihrem lehrer paul klee und besuchen in ethnologischen sammlungen, dann in einer damals völlig neuen sinnlichen kombination von materialien, farben und formen. stoffe, die »fäden« – baumwolle, jute, metall, gaze, bast –, als bedeutungsträger, einfallsreich, intuitiv, spielerisch eingesetzt…

ihre diplomarbeit 1929, ein wandbehang für die aula der adgb-bundesschule in bernau, verarbeitet das neuartige transparente cellophan und baumwolle zusammen, schallabsorbierend und lichtreflektierend – uralte technik und moderne formensprache. bis zur erzwungenen schließung leitet sie die weberei am bauhaus. 
1933 flieht anni in die usa (die florierenden unternehmen der familien ullstein und fleischmann werden 1934 enteignet) und findet am progressiven black mountain college eine neue künstlerische heimat. nicht nur die weberei, auch die theoretischen texte, die hier enstehen, gelten noch heute als bibeln der textilkunst. 
anni albers lässt sich nun von den alten kulturen und webtechniken perus, mexikos und kubas inspirieren. auf den reisen immer dabei: der »blonde, halbverhungerte westfale«, ihr ehemann, der bauhauslehrer josef albers (die fotos der beiden zusammmen – entzückend), mit dem sie 50 jahre, bis zu seinem tod, verbringen und arbeiten, aber auch darunter leiden wird, die »frau von« (dem berühmten josef a.) und als eigenständige künstlerin wenig anerkannt zu sein.
anni albers hat in ihrem leben wohl nie eine synagoge betreten (»religious? not in any organized way. but there is something i think that everybody believes in whether they deny it or not. …art is something that gives you something that you need for your life«). aber sie hat altarbehänge für mehrere synagogen geschaffen und für das jüdische museum new york das 2x3meter-werk »six  wurde sie umfassend gewürdigt. 

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