











am 5. juni 1883 fuhr der erste orient-express von paris aus richtung konstantinopel…
anfangs betrug die reisezeit 81 stunden und 40 minuten und die passagiere mussten das ende der strecke noch per schiff zurücklegen. nachdem die streckenbaugesellschaft von baron maurice de hirsch 1889 den abschnitt thessaloniki-konstantinopel fertig gebaut hatte und es nunmehr ein durchgehendes schienennetz gab, verkürzte sich die fahrzeit um 14 stunden (1939 brauchte der zug dann nur noch 56 stunden, ein tempo, das wegen des zweiten weltkriegs dann erst wieder 1974 erreicht wurde; die letzte durchgehende verbindung wurde 1977 eingestellt und 2009 kam das endgültige aus für den berühmten zug).
sein „vater“ war der belgier george nagelmackers. er hatte den bedarf an komfortablen zügen und verbindungen ohne lästiges umsteigen an grenzbahnhöfen erkannt. nach dem vorbild der amerikanischen pullman-züge gelang es ihm schon 1874 die ersten schlafwagen zwischen paris und wien einzuführen. 1876 gründete er die heute noch existierende compagnie internationale des wagons-lits (ciwl) und setzte als erster auch speisewagen ein.
im ersten jahr verließ der orient-express als kombination aus schlaf- und speisewägen den pariser gare de l’est jeden abend um 18:25 und kam nach drei nächten um 16:00 uhr in konstantinopl an. weil man über den balkan in den orient reiste und beides als unsicheres terrain galt, wurde den passagieren angeraten, eine waffe mit sich zu führen. tatsächlich erwies sich die fahrt nicht immer als ungefährlich. schon im ersten jahr überfielen banditen in bulgarien einen der haltebahnhöfe. 1891 brachte der griechische räuber athanasios den express zum entgleisen, entführte vier passagiere und ließ sie erst wieder frei frei, nachdem er ein dickes lösegeld kassiert hatte. 1924 konnte der zug grade noch halten, bevor eine brücke vor ihm in die luft ging, und 1931 verübte der ungar sylvester matuska ein bombenattentat, bei dem 24 menschen zu tode kamen (und josephine baker unverletzt überlebte). der arme orient-express entgleiste im laufe der zeit auch ein paar mal wegen „menschlichen versagens“, insgesamt starben dabei 118 menschen, die meisten 1957 bei istanbul.
es gab auch immer wieder mal verwicklungen, weil der zug ein beliebtes transportmittel für drogenschmuggler und schwarzhändler war, gern von diplomaten genutzt wurde (so hatten u.a. die britische und die französische botschaft jede woche ein festes abteil für ihre post gebucht), aber auch von agenten und spionen. ein letzter bekannter fall trug sich 1950 zu, als ein amerikanischer militärattaché, der vermutlich von ostblock-agenten aus dem zug gestoßen worden war, tot auf den gleisen in einem tunnel gefunden wurde. im orient-express selber gab es wohl nie einen mord – bis auf den fiktiven bei agatha christie, die sich für ihre „location“ vermutlich davon hat inspirieren lassen, dass der zug im strengen winter 1928/29 in der türkei fünf tage lang eingeschneit auf der strecke stand.
die liste seiner prominenten fahrgäste ist endlos lang – von mata hari, sarah bernhardt und leo trotzki bis hin zum späteren us-präsidenten herbert hoover, der vor dem ersten weltkrieg als bergbauingenieur in europa zugange war. der könig der züge war aber vor allem der zug der könige. alle fuhren mit dem orient- express: konstantin I. von griechenland, der herzog von windsor, aga khan III. und der bulgarische könig ferdinand I. (der beliebte, den zug auf dem bulgarischen abschnitt selbst zu fahren, was angeblich wiederholt zu beschwerden anderer fahrgäste geführt hat, weil er keine ahnung vom lokomotivführen und einen äußerst eigenwilligen fahrstil hatte). andere herrscher setzten sich mit dem orient-express ins ausland ab, so 1924 der letzte türkische kalif abdülmecit II und der rumänische thronfolger carol II., der bei seiner flucht 1940 gleich noch ein paar waggons mit kuntschätzen an den zug anhängen ließ.
am nettesten ist die geschichte, nach der sigmund freud einmal auf einem sessel stehend durch das geöffnete fenster in einen waggon hineinordiniert hat: drinnen saß der neurotische geiger jascha heifetz, der ihn beim zwischaufenthalt auf dem wiener hauptbahnhof um eine konsultation gebeten hatte. und hübsche plakate gibt’s auch:
