
am 14. juli 1920 erschien die erste ausgabe des immer noch existierenden sportmagazins „der kicker“, gegründet vom fußballnarren walther bensemann. dessen eltern, eugenie marckwald und der berliner bankier berthold bensemann, hatten ihn als kind in eine privatschule in der schweiz geschickt, wo walther sich mit fußball infiziert und nach dem umzug der famile nach karlsruhe seine mitschüler ansteckt. 1889 gründet er einen ersten fußballklub in karlsruhe (und schmeißt das erste fenster ein), es folgen wanderjahre in süddeutschland (unterbrochen durch mäßiges philologiestudium), in denen er sich u.a. in freiburg einen verweis wegen verführung von schülern zu fußball und alkohol einfängt, aber dennoch seine umwelt erfolgreich von der neuen sportart überzeugt, x klubs gründet, die „ur-länderspiele“ mit englischen und französischen teams initiiert, an der gründung des dfb beteiligt ist, sich als sportjournalist betätigt und 1920 endlich beginnt, seine eigene sportzeitung herauszugeben, als „symbol der völkerversöhnung durch den sport.“ 13 jahre später ist schluß mit versöhnung. „der kicker“ wird arisiert. bensemann ist jude.
im april veröffentlichen die großen süddeutschen sportvereine – u.a. der karlsruher fv, der 1. fc nürnberg, eintracht frankfurt und fc bayern, deren vorgängervereine bensemann alle mitbegründet hat, sowie der dfb – erklärungen, nach denen sie die maßnahmen der nationalsozialistischen regierung „mit allen kräften mittragen … insbesondere in der frage der entfernung der juden aus den sportvereinen“. walther bensemann ist ihnen zuvor gekommen. er war einige tage zuvor in die schweiz emigriert. hanns jakob müllenbach, sein „arischer“ nachfolger als „kicker“-chef, der ihn seit der ersten ausgabe begleitet hatte, lässt sich in einem artikel über „asphaltliteraten“, die „das deutsche wesen so verunglimpft … teilweise allerdings nun die flucht ergriffen hätten“ aus und die leser lapidar wissen, dass walther bensemann aus der redaktion ausgeschieden sei. (er stirbt 1934 in montreux.)
bis jetzt hab ich auf den seiten des „kickers“, des „deutschen fußballmuseums“ oder der „sz“, die das jubiläum auch feiern, den namen #bensemann noch nicht gelesen. bißchen armselig.
(wer mehr wissen möchte: bernd m. beyer hat mehrere bücher über bensemann geschrieben, u.a. „der mann, der den fußball nach deutschland brachte“ bei verlag die werkstatt 2003 und „walther bensemann. kosmopolit des fußballs“ bei hentrich & hentrich 2019)
