Iulius Caesar über die Germanen…

gaius iulius caesar *13.7.100 v.u.z. über die germanen:

„Von diesen Sitten [denen der gallier] weichen die Germanen in vielen Stücken ab. Man findet bei ihnen keine Priester wie die Druiden und auch keinen besonderen Hang zum Opferdienst. Sie haben nur solche Gottheiten, die man sieht, Sonne, Vulkan [feuer] und Mond, und deren offenbaren Einfluss sie wahrnehmen. Die übrigen Götter kennen Sie nicht mal dem Namen nach. Ihr ganzes Leben bewegt sich zwischen Jagd und Kriegsbeschäftigung; von Jugend auf gewöhnen sie sich an Mühe und Abhärtung. 
Lange unverheiratet zu bleiben bringt bei ihnen großes Lob; denn dadurch, glauben Sie, werden Körpergröße, Kraft und Nerven gestärkt. Dagegen gilt es für höchst schimpflich, vor dem 20. Lebensjahr eine Frau erkannt zu haben. Und doch machen sie aus der Verschiedenheit der Geschlechter kein Geheimnis; denn beide Geschlechter baden gemeinschaftlich und tragen den großen Teil ihres Körpers bloß, da ihre Bedeckung nur aus Fellen und kleinen Pelzen besteht.
Den einzelnen Staaten wird es zum höchsten Ruhm angerechnet, wenn alles weit und breit um sie herum verwüstet ist. Sie sehen es als Merkmal der Tapferkeit an, wenn man die Nachbarn vertreibt, so dass sie das angrenzende Gebiet räumen und niemand sich getraut, in der Nähe zu wohnen. Zugleich glauben sie, man sei dadurch besser gesichert, weil man keinen unvermuteten Überfall zu befürchten habe. Wenn ein Staat Krieg anfängt oder sich zur Gegenwehr rüstet, werden Obrigkeiten gewählt, die das Kommando führen und Gewalt über Leben und Tod haben. In Friedenszeiten gibt es keine gemeinsame Regierung, sondern die Vornehmsten in den Provinzen und Gauen versehen bei ihren Leuten die Rechtssprechung und schlichten die Streitigkeiten. Raubzüge außerhalb der eigenen Grenzen haben bei ihnen gar nichts Anstößiges; sie erklären, dies sei ein Mittel, die jungen Leute zu üben und vor dem Faulenzen zu bewahren. Sagt ein vornehmer Germane in der Volksversammlung, er habe einen solchen Raubzug vor, wer teilnehmen wolle, möge sich melden, so stehen alle auf, denen das Unternehmen und der Anführer gefällt, und versichern ihn ihres Beistandes; worauf sie vom versammelten Volk Beifall erhalten. Wenn dann einer gegen sein gegebenes Wort den Zug nicht mitmacht, so betrachtet man ihn als Ausreißer und Verräter; in keinem Stücke findet er in der Folge mehr Glauben. Fremde darf man bei ihnen nicht misshandeln; aus welchem Anlass auch immer man zu ihnen kommt, man ist vor allem Unrecht geschützt und gilt als unverletzlich. Ein jedes Haus steht einem offen und ein freier Tisch zu Diensten.
Ackerbau betreiben sie nicht viel, ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Milch, Käse und Fleisch. Niemand besitzt ein bestimmtes Ackerland oder eigenen Grund, sondern die Obrigkeit und die Fürsten weisen jährlich den Stämmen, den Sippen und denen, die sich sonst miteinander verbunden haben, Feld zu, soviel und wo es ihnen gefällt, und zwingen sie, das Jahr darauf anderswohin zu ziehen. Sie geben hierfür verschiedene Gründe an, nämlich: damit man nicht aus Liebe zum gewohnten Aufenthalt statt der Kriegsübungen nur noch Feldbau betreibe; damit man nicht nach dem Erwerb großer Ländereien trachte und nicht die Mächtigeren die Ärmeren aus ihrem Besitz vertrieben; damit man nicht zu sorgfältig baue, um Kälte und Hitze zu meiden; damit keine Begierde nach Reichtümern entstehe, woraus Parteiungen und Zwistigkeiten hervorgehen; damit man den gemeinen Mann bei guter Laune erhalte, wenn ein jeder sähe, er habe ebensoviel Güter wie die Mächtigsten.“


aus: de bello gallico (über den gallischen krieg, 6. buch), 58-51 v.u.z.

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