11. september 1941. „lucky lindy“, der allerseits verehrte atlantik-überquerer charles lindbergh hält vor dem america first committee und tausendende zuschauern in iowa eine flammende „antikriegsrede“ zum thema „wer sind die kriegstreiber?“ und warum sich amerika aus dem krieg heraushalten solle: er sieht den faschismus als welle der zukunft, die richtung amerika rolle. der zweite weltkrieg sei eine fortsetzung jahrhundertealter europäischer stammesfehden war, die nichts mit den vereinigten staaten zu tun hätten. die amerikansche außenpolitik zur unterstützung gegen die nazis sei gesteuert von „jüdischen interventionisten“… „die drei wichtigsten gruppen, die dieses land zum krieg drängten, sind die briten, die juden und die roosevelt-administration (…) es ist nicht schwer zu verstehen, warum jüdische menschen den sturz nazi-deutschlands verlangen… keine person mit würde kann stillschweigend die behandlung hinnehmen, die die jüdische rasse in deutschland erleidet. aber auch keine person mit ehre und weitblick kann ihre pro-kriegs-politik betrachten, ohne wahrzunehmen, welche gefahr in einer solchen politik liegt, für sie und für uns … anstatt für den krieg zu agitieren, sollten die jüdischen gruppen in diesem land ihm auf jede nur mögliche art entgegentreten, weil sie die ersten sein werden, welche die konsequenzen spüren … die größte gefahr für dieses land liegt in ihrem besitz und einfluss auf die filmindustrie, unsere presse, unser radio und unsere regierung.“
lindbergh war zwischen 1936 und 1938 sechsmal in deutschland und begeistert, er tourte durch die luftwaffenstützpunkte und bewunderte die „organisierte vitalität“ und sauberkeit der deutschen. von hermann göring war er zu den olympischen spielen eingeladen worden und der hatte ihm im auftrag hitlers auch den „deutschen adlerorden“ angehängt. hitler war für lindbergh ein mann mit „mehr charakter“, als im westen angenommen werde“, und der „viel gutes, aber auch schlechtes“ für sein land erreicht habe. 1938 war er zwar „nicht einverstanden“ mit den novemberpogromen, schrieb ein jahr später aber, als halb europa schon in trümmern lag, in „reader’s digest“, die westlichen nationen könnten nur frieden und sicherheit haben, solange sie sich „zusammenschließen, um diesen unschätzbaren besitz, unser erbe an europäischem blut, zu bewahren.“ dazu gehörten juden freilich nicht.
vielleicht war herr lindbergh nur ein bißchen naiv oder wirr. einer, dem die lindbergh-verehrung in diesen jahren jedenfalls abhanden kam, war bertolt brecht. 1950 anläßlich der wiederausstrahlung seines radio-lehrstücks „flug der lindberghs“ von 1929 änderte er den titel des stücks in „der ozeanflug“ und ersetzten den namen „lindbergh“ im text durch „flieger“.

