Bambis „Papa“


felix salten, der 1869 als siegmund salzmann in budapest geboren wurde, wuchs in wien auf. salten, wie er sich bald nannte, war hier u.a. mit arthur schnitzler, hugo von hofmannsthal und karl kraus befreundet bzw. verfeindet (vor allem wegen aller art frauengeschichten) und schrieb zunächst über skandale und affären am wiener hof. unter anderen wird ihm auch der anonym erschienen erotische roman „josefine mutzenbacher“ über eine alternde prostituierte, die von ihren jugenderlebnissen erzählt, zugeschrieben (lt. oswald wiener „der wohl einzige deutsche pornographische roman von weltrang“). der verschwenderisch und promisk lebende salten galt als vertreter der wiener moderne und spitzenjournalist. er schrieb u.a. für den pester lloyd, das berliner tageblatt und die neue freie presse, verfasste operettenlibrettis, filmdrehbücher, kritiken, kabaretttexte und romane.

außerdem war er passionierter jäger und hatte in der nähe wiens ein eigenes jagdrevier. womit wir bei seinen tiergeschichten wären, die ihm alle bei der jagd eingefallen sein sollen: der hund von florenz, die jugend des eichhörnchens perri oder eben bambi. die abenteuer des kleinen rehkitz erschienen 1923 und waren als (eher vermeintliches) kinderbuch sofort ein großer erfolg. 1928 wurde bambi ins englische übersetzt und 1942 von walt disney verfilmt, zwar mit deutlich weniger gemetzel als in der buchvorlage, aber doch mit dem ergebnis, dass zahllose kinder heulend aus dem kino rannten, weil auch hier bambis mutter starb…

zu der zeit war der jude felix salten, dessen bücher die nazis 1935 verboten hatten, schon im exil in zürich, wo er am 8.oktober 1945 vereinsamt und verbittert starb. (die hübsche deutsche hörspielfassung des buches von 1950, in der ein damals zehnjähriger frank elstner bambi seine stimme lieh, ist übrigens bis heute erhältlich.

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