Die Frau und der berühmte Kuss

greta friedman *5. juni 1924 – die frau auf alfred eisenstaedts legendärem kuss-foto von 1945

greta friedman, als grete zimmer in wien geboren (2016 verstorben), war zusammen mit zwei schwestern im alter von 15 jahren in die usa gekommen, während ihre eltern max und ida in der schoa ermordet wurden. als das foto am 14. august 1945 entstand, arbeitete sie in einer praxis als zahnarzthelferin und war in ihrer arbeitskleidung mit tausenden anderen auf den times square geeilt, um auf die verkündigung des kriegsende mit japan zu warten.

ihre uniform wurde in der populärkultur jahrzehntelang falsch als die einer kankenschwester identifiziert, das foto als romantisch und die frau darauf als die krankenschwester edith shain.  eisenstaedt war „busy“ und hatte keine zeit gehabt, persönliche informationen von seinen motiven zu erfragen. als grete zimmer, inzwischen greta friedman, das foto in den 1960er-jahren sah, sich erkannt und an das life-magazin geschrieben hatte, interessierte das dort niemanden. als das öffentliche interesse an dem foto aus irgendeinem grund stieg und das magazin 1980 per zeitungsanzeige nachfragte, meldeten sich gleich mehrere frauen und männer, die behaupteten, die beiden auf dem foto zu sein. so auch die krankenschwester edith shain. sie wurde dann lange als die geküsste angesehen. doch edith shain war nur 1,47 groß und passte größenmäßig zu keinem der matrosen, die sich gemeldet hatten.

nach langen recherchen, interviews, foto- und forensischen analysen sowie dem abgleich mit bildern eines weiteren fotografen, der die szene aus einer anderen perspektive eingefangen hat, gilt heute als gesichert, dass die frau auf dem foto greta friedman ist und george mendonsa (wegen seiner passenden tattoos und narben) der wahrscheinlichste kandidat für den matrosen.

greta friedman 2005: „es war nicht meine entscheidung, geküsst zu werden. der typ kam einfach an, packte und küsste mich … es war kein großer kuss, eher ein jubelakt, dass er nicht zurück in den pazifik musste.“
george mendonsa 2007: „ich habe an diesem tag ziemlich viel getrunken und ich betrachtete sie als eine der truppen – sie war eine krankenschwester.“

alfred eisenstaedt: „ich sah einen matrosen die straße entlang rennen und sich jede frau in sichtweite schnappen. ob sie großmutter war, dick, dünn, alt, machte keinen unterschied. ich rannte mit meiner leica über der schulter vor ihm her, aber keines der möglichen bilder gefiel mir. dann plötzlich sah ich blitzschnell, wie etwas weißes gepackt wurde. ich drehte mich um und klickte in dem moment, als der seemann die krankenschwester küsste. (…) die leute sagen mir, dass sie sich noch an dieses bild erinnern werden, wenn ich im himmel bin.“

Hinterlasse einen Kommentar