louis brody, am 15. februar 1892 als m’bebe mpessa in kamerun geboren, war der bekannteste afrodeutsche schauspieler der 20er/30er jahre
wann und wie er nach deutschland gekommen war, ist unbekannt, aber 1915 hatte er hier seine erste filmrolle in einem verloren gegangenen stummfilm – „selbstverständlich« tötete er in dem streifen einen weißen und wurde auch in vielen seiner weiteren über 50 filme meist – sexualisiert und dämonisiert – auf die rolle des bösewichts, dieners, gefangenen, barkeepers, naiven wilden oder exoten (machmal auch als inder) festgelegt. selbst in expressionistischen klassikern wie fritz langs „der müde tod« (1921) mit eduard von winterstein und lil dagover ist brody der bedrohliche schwarze mörder. einzige ausnahme „der weiße dämon“ des später ermordeten kurt gerron, in dem brody 1932 einen pagen in einem pariser hotel gibt, der sich als sprachenkenner und hamburger „outet“ und von hans albers daraufhin schulterklopfend als gleichberechtigter landsmann anerkannt wird.
brody machte gute mine zum bösen spiel und bewarb sich selber als „vertreter aller exotischen sprechrollen“. als einer der wenigen damals in berlin lebenden farbigen, die meist aus den deutschen kolonien stammten und häufig im show biz tätig waren, hat er es mit seinem namen auf den vorspann etlicher filme und titelblätter von filmzeitschriften geschafft und spielte in „das indische grabmal: der tiger von eschnapur“, in „mata hari“, in „metropolis“ usw an der seite von lilian harvey, peter lorre oder conrad veidt.
zugleich war luis brody eine führende stimme der schwarzen community berlins. schon 1918 war er in reaktion auf den rassismus an der gründung des „afrikanischen hilfsverein“ beteiligt gewesen. 1921, als die deutschen während der besetzung des rheinlands gegen die französischen kolonialsoldaten („die schwarze schmach“) hetzten, wandte sich brody als vertreter dieses vereins in einem offenen brief, der u.a. in der „b.z. am mittag“ abgedruckt wurde, an die deutsche öffentlichkeit und machte sie darauf aufmerksam, dass die schwarze bevölkerung, die im krieg so viele opfer für deutschland gebracht hatte, nun übergriffen ausgesetzt sei, dass sie aber„nicht die unmoralische und unkultivierte rasse“ sei, wie behauptet würde und dass man ihr mit respekt statt verachtung begegnen solle. wie martin dibobe, der erste berliner zugführer afrikanischer herkunft, setzte sich brody immer wieder für seine landsleute, für gleichberechtigung und gegen den kolonialismus ein und war 1929 mitgründer der von der komintern unterstützten „liga zur verteidigung der n*gerrasse“, einer depandence der 1924 in paris gegründeten „ligue pour la séfense des la race noir“.
1930 initiierte brody, der sich auch als stückeschreiber versuchte, eine vermutlich einmalige aktion. er stellte eine revue – „sonnenaufgang im morgenland“ – auf die beine, in der 38 farbige männer und frauen, drei weiße und eine 15-köpfige band die afrikanische kultur feierten, den kolonialismus kritisierten und afrikaner als „menschen wie du und ich“ zeigten. nach der premiere in kliems festsälen in der neuköllner hasenheide titelte der „völkische beobachter“ empört „ein n*gertheater in berlin?“ und es ist anzunehmen, dass das stück unter dem aufkommenden faschismus nicht oft wiederholt wurde.
1938 heiratete der schauspieler die schwarze danzigerin erika diek, deren vater ebenfalls aus kamerun stammte. da ihnen die staatsbürgerschaft aberkannt worden war, waren sie gezwungen, sich wie verbrecher jede woche bei der polizei zu melden, die gemeinsame tochter musste als „n*egerkind“ ihren kindergarten verlassen und die familie wurde öffentlich als n*ger beschimpft, wie brodys frau später berichtete. dennoch hatte der schauspieler gewissermaßen glück. während andere seiner farbigen kollegen wie etwa mohamed husen in konzentrationslagern starben, wurde er weiterbeschäftigt, das neue genre „kolonialfilm“ kam schließlich ohne „schwarze“ nicht aus, und auch in den propagandastreifen, die nun auf der tagesordnung standen, brauchte man sie und so war brody auch in einigen der übelsten machwerke zu sehen, wie „jud süß“, „ohm krüger“, germanin“ und „kolberg“.
den 8.mai 1945 erlebte louis brody, unter der bettdecke feindsender hörend, in berlin. nach dem krieg trat er hier als jazz-sänger und -schlagzeuger in der pinguin bar auf, betätigte sich als ringer und zirkusartist und spielte, kurz vor seinem tod am 11. februar 1951, in der defa-produktion „die letzte heuer“ seine letzte rolle.

