seine frau juliana hatte die idee, er hat sie umgesetzt: vor 180 jahren erfand jacob christoph rad den würfelzucker
bis dahin gab es zucker nur in form von sirup und von steinhartem kristallzucker in kegelform. aus diesen bis zu 1,50 meter großen „zuckerhüten“ musste man mit dem hammer stücke herausschlagen, wobei sich hausfrauen oder köchinnen häufig verletzten, und genau dosieren ließen sich die brocken auch nicht.
jacob christoph rad (1799–1871), der schon andere sachen wie ein optisches telegraphensystem erfunden hatte, war zu dieser zeit direktor der datschitzer zuckerraffinerie in mähren. er ließ die fabrik ausbauen, neue maschinen wie 1842 die erste dampfmaschine des ortes anschaffen und einheimischen rübenzucker und importierten rohrzucker verarbeiten, der nach dem ende der kontinentalsperre napoelons wieder vermehrt eingeführt wurde und mit pferdefuhrwerken vom triester hafen über wien nach datschitz kam. zu den aufgaben seiner frau juliana gehörte es, mittags die höher gestellten mitarbeiter der fabrik zu verköstigen. nachdem sie sich wieder einmal beim zerkleinern eines zuckerhuts fast einen finger abgehackt hatte, habe sie – so die notizen des damaligen magazinverwalters – den herren am mittagstisch gesagt, sie könnten ja auch mal was vernünftiges erfinden, damit diese zuckerhackerei ein ende habe. und noch besser wär’s, wenn man stücke in gleicher größe hätte, denn dann könnte man ihn gut dosieren, gut verpacken und es gäbe es auch keine abfälle mehr wie beim gewaltsamen zerkleinern, zucker sei schließlich teuer…
der gatte hatte offenbar ausnahmsweise hingehört. denn nach drei monaten überreichte jacob christoph rad seiner frau eine kiste mit eckigen zuckerstückchen. ein jahr später veröffentlichte er seine erfindung, erhielt am 23. januar 1843 ein fünfjähriges privileg und im jahr darauf ein patent. aus dem kann man entnehmen, wie seine zuckerpresse funktioniert hat (und viel hat sich an der methode nicht geändert): eine messingplatte, in die 400 quadratische löcher gestanzt waren, wurde auf eine zweite platte gesetzt. das zuckermehl aus den zerraspelten zuckerhüten wurde in die löcher gesiebt, dann drückte man den zucker mit einer pressvorrichtung zusammen und schob anschließend die würfel auf eine holzplatte, wo sie noch 12 stunden austrockneten. fertig. schon am 31. mai 1843 schwärmte die zeitung „der wiener zuschauer“, dass man dank dieser erfindung nun „exakt … süßen“, aber endlich auch „den zuckervorrat – ein lockender artikel für dienstleute – streng kontrollieren“ könne. und die sechs pressmaschinen der datschitzer fabrik produzierten bald zweihundert zentner würfelzucker täglich, bedient von „12 frauen, 11 mädchen und 36 (sic!) kindern“.
bis die neuerung überall angenommen wurde, dauerte es aber noch eine weile. jakob und juliana rad waren inzwischen mit ihren kindern (am ende waren es 15) wieder nach wien gezogen, wo er als sekretär bei der handelskammer angestellt wurde und weiter tüftelte und schließlich wieder beim zucker landete. er gab das adressen- und jahrbuch der österreichisch-ungarischen rübenzucker-fabriken und der spiritusbrennereien heraus, publizierte zu steuerpolitik, zollbestimmungen und produktion, einfuhr und konsum von zucker und verteidigte den rüben- gegen den rohrzucker (u.a. weil man viele rübenzuckerfabriken schließen wollte) mit schriften, die so spannende titel hatten wie diesen: „der rübenzucker in nationalökonomischer, finanzieller, industrieller und landwirtschaftlicher beziehung, mit besonderer rücksicht auf die österreichischen staaten und deutschland“:)

