der lebenslauf der drei kinder des begründers der zionistischen bewegung theodor herzl und seiner frau julie naschauer – pauline (*1890), hans (*1891) und margarete gertrude (*1893) – ist so bemerkenswert wie tragisch. keines war zionist, keines besuchte je palästina, keines starb eines natürlichen todes…
hans herzl, der weder beschnitten noch bar mizwa wurde, war 13 jahre alt, als sein vater und 16, als seine mutter starb. das bescheidene vermögen seiner familie war aufgebraucht, seine schwestern waren hilflos und alle drei wurden quasi „mündel“ der anhänger ihres vaters. der hochsensible hans war und blieb ein „verlorenes“ kind. er blieb ledig, arbeitete zeitweise in einer bank, konvertierte 1924 zum christentum, ging nach london und erschoss sich am 15. september 1930, 20 uhr, in der rue de la gare 31 in bordeaux – nachdem sich zuvor seine schwester pauline, die wegen ihrer zahlreichen affären als skandalnudel der familie verschrien und ebenfalls psychisch instabil war (sie wurde u.a. von carl jung behandelt), ebenfalls in bordeaux mit einer überdosis opium vom leben zum tode gebracht hatte.
aus einem letzten brief hans herzls: „ein jude bleibt ein jude, egal wie eifrig er sich den disziplinen seiner neuen religion unterwirft, (…) ich kann nicht weiterleben. ich habe jegliches vertrauen in gott verloren, mein ganzes leben lang habe ich versucht, nach der wahrheit zu streben, und muss heute am ende des weges zugeben, dass es nichts als enttäuschung gibt. heute abend habe ich kaddisch für meine eltern gesagt – und für mich selbst, den letzten nachkommen der familie. es gibt niemanden, der kaddisch für mich sagen wird, der ausgezogen ist, um frieden zu finden – und der vielleicht bald frieden finden wird…«
theodor herzl, der den wunsch geäußert hatte, neben seinen kinder beerdigt zu werden, musste in seinem grab lange auf sie warten. erst nach jahrzehntelangen debatten in israel über die „aus der art geschlagenen“ herzl-kinder, derer die zionisten sich schämten, über den übertritt von hans und den selbstmord der geschwister (bei pauline kann es auch ein unfall gewesen sein) wurden beider überreste mehr oder weniger still und heimlich aus frankreich geholt und neben denen ihres vaters auf dem mount herzl in jerusalem bestattet.
auch das dritte herzl-kind, gertrude „trude“ herzl-neumann, litt ihr leben lang unter depressionen und war in verschiedenen psychiatrischen kliniken. doch die schriftstellerisch begabte trude konnte man nicht zu ihrem vater umbetten. sie wurde wie die anderen patienten der wiener shteinhoff-anstalt deportiert und verhungerte 1943 in theresienstadt; ihre überreste wurden im lager-krematorium verbrannt. trudes mann, richard neumann, war schon vor ihr in theresienstadt gestorben.
ihren einzigen sohn, stephan theodor neumann (theodor herzls einziger enkel), hatten sie geschafft, 1935 rechtzeitig aus österreich heraus nach england zu schicken. er war handelsvertreter der britischen botschaft in washington, als er dort, nachdem er vom gewaltsamen tod seiner eltern informiert worden war, 1946 von der massachusetts avenue bridge sprang.

