Die Dachau-Messe

„musik im kz“ ist ein großer themenkomplex. dazu gehört auch die „dachau-messe“ – am 24. september 1944 heimlich uraufgeführt im „priesterblock“ des konzentrationslagers dachau. geschrieben und einstudiert hatte sie der katholische benedektinerpater gregor schwake. schwake war promovierter musikwissenschaftler, organist, dozent für kirchenmusik, komponist, dichter und nazi-gegner – ein charismatischer, lebensfroher rheinländer, der selbst noch im lager versuchte, mit seiner musik etwas licht in das dunkel zur bringen. 

seine abtei gerleve war schon 1941 dem nazistischen klostersturm zum opfer gefallen und er selbst im oktober 1943 in linz verhaftet worden. der von gestapo-chef kaltenbrunner unterzeichnete „schutzhaftbefehl“ führte auf, gregor schwake würde als geistlicher in offener und versteckter form gegen den staat hetzen, das vertrauen der bevölkerung zur staatsführung untergraben und stimmung gegen die regierung machen. im januar 1944 wurde pater gregor aus dem gefängnis nach dachau überstellt und kam wie alle geistlichen in eine der drei baracken des sog. „pfarrer- bzw. priesterblocks“. einem gerlever mitgefangenen gelang es, ihn im kommando „versuchsabteilung natürlicher landbau“ unterzubringen, wo die häftlinge vergleichsweise leichte zwangsarbeit zu leisten hatten. schwake leitete den priesterchor, spielte orgel in der kapelle von block 26, schrieb gedichte und komponierte, eben auch eine vollständige messe. aufführen ließ er diese „dachau-messe“ bezeichnender weise am 24. september, dem katholischen feiertag „maria vom loskauf der gefangenen“.

pater schwake wurde am 10. april 1945 von us-truppen befreit (von den 2720 während der zwölf jahre in dachau eingesperrten geistlichen verstarben 1034 im lager). später arbeitete er als seelsorger, kehrte dann in seine heimatabtei gerleve zurück, schrieb plattdeutsche theaterstücke, vertonte gedichte und wurde als „singender pater“ bekannt, weil er gern liederabende veranstaltete. an seiner beerdigung 1967 nahmen viele dachauer mithäftlinge teil.

die originalfassung seines wichtigsten werkes, der dachau-messe für männerchor und blechbläser ist verschollen. 1995 fand man im kloster reute in bad waldsee, wo schwake sich 1945 von der haft erholt hatte, seine bearbeitung der messe für frauenchor und orgel. aus dieser partitur wurde das original rekonstruiert und ist dank der erben schwakes heute auch rechtefrei im internet verfügbar. ausschnitte: https://youtu.be/PnZpHmLOmIs

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