katharina „käthchen“ paulus (1868–1935) – luftschifferin und erfinderin des paketfallschirms
an einem julitag im jahr 1893 stieg die 25-jährige näherin aus der nähe von frankfurt zusammen mit ihrem lebensgefährten in einem ballon über nürnberg auf 1200 metern höhe auf, kletterte über die brüstung des korbs und sprang ab. es war der erste fallschirmsprung einer deutschen. wäre es nach ihr gegangen, hätte der schon viel früher stattfinden sollen. seitdem sie 1890 den ballonfahrer carl christoph hermann lattemann kennengelernt, für ihn als näherin gearbeitet und sich in ihn und die idee, selbst in die lüfte aufzusteigen, verliebt und unehelich einen sohn mit ihm bekommen hatte, verboten die örtlichen behörden immer wieder, dass sich eine dame in der luftschifffahrt betätigte. in nürnberg genehmigte man ihr schließlich den aufstieg mit lattemann (er sprang, sie baute eine bruchlandung mit dem ballon) und wenige tage später, am 23. juli 1893, sprang sie bei elberfeld zum ersten mal selbst.
bald darauf hagelte es aufträge. eine frau, die durch die lüfte fliegt, das wollten alle sehen. das paar tingelte mit seinen kunststücken durch die lande. doch dann stürzte lattemann bei einem sprung in krefeld, kurz vor der geplanten hochzeit, vor ihren augen in den tod. technisches versagen. käthe paulus wollte nie wieder in einen ballon steigen. doch ein jahr später starb auch ihr kleiner sohn an diphterie und sie kehrte zurück ins business, als luftschifferin, ballon- und fallschirmkonstrukteurin.
in frankfurt am main kannte bald jedes kind die waghalsige frau. sonntags stieg sie, umjubelt von bis zu 20000 zuschauern, im ballon über dem zoo auf. das eine mal ließ sie statt der gondel ein fahrrad unter dem ballon montieren (als gut bezahlte werbung für die adler-werke), dann tauschte sie die gondel gegen eine mondsichel, ein karusselpferd oder einen blechadler, auf dem sie balancierte oder sie zeigte ihren atemberaubenden „doppelfallschirmabsturz“ mit zwei schirmen. bald trat sie als „miss polly“ auch international auf, meist im matzrosenanzug, mit pluderhosen und hohen schwarzen schnürstiefeln – verewigt auf postkarten von amsterdam bis paris.
bis zum ende ihrer aktiven luftkarriere um 1912 ist paulus 516 mal mit dem ballon aufgestiegen und 147 mal mit dem fallschirm abgeprungen, dabei war sie zwar auf kartoffeläckern gelandet und hatte reichlich laternen umgenietet, sich aber nie ersthaft verletzt.
seit dem absturz ihres geliebten hatte sich käthe paulus neben der fliegerei und springerei damit beschäftigt, wie man fallschirme sicherer machen konnte. die fallschirme, die bis dahin benutzt wurden, waren sperrig, schwer und konnten nicht zusammengeklappt werden; wenn sich die springer in den schnüren verwickelten, waren sie meist verloren. käthe paulus, die alle ihre ballons und fallschirme selber hergestellt hat, kannte die schwachstellen bestens und entwickelte nun eine neue variante, die heute noch verwendet wird. sie faltete den schirm mit einer besonderen technik und verpackte ihn in einer hülle, die mit einen spezialmechanismus zu öffnen war. das (schweizer) patent auf den paketfallschirm bekam sie erst sehr viel später, 1921.
paulus bot ihren neuen fallschirm dem preußischen militär an, doch das war zunächst nicht interessiert. bis der erste weltkrieg begann. käthe paulus war mit ihrer mutter inzwischen nach berlin gezogen und plötzlich fand auch das kriegsministerium gefallen an ihrem know how. sie beriet das militär in puncto aufklärungsballons und fallschirme und nähte mit 40 helferinnen bis zum ende des krieges rund 1000 ballonhüllen und 7000 rettungsfallschirme ihrer marke „k. p.“, die etlichen „feindbeobachtern“, die in fesselballons über den schützengräben flanderns schweben mussten, das leben rettete.
nach dem krieg war die zeit der ballon-akrobaten vorbei, und mit dem versailler vertrag vorerst auch die deutsche luftfahrt als ganze. käthe paulus verlor ihr vermögen, das sie in kriegsanleihen investiert hatte und starb 1935 mit 66 jahren in berlin an krebs. hier hat sie ein ehrengrab.

