
Der Parodist und Chansonnier Paul O’Montis wird am 3. April 1894 #OTD in Újpest, einem später eingemeindeten Vorort von Budapest, als Paul Emanuel Wendel geboren, Wendel Pál Máno auf Ungarisch. Seine Eltern, Martha Meyer und Friedrich Wendel, sind evangelisch (nicht jüdisch, wie hier und da zu lesen. Der Vater stirbt früh, und die Mutter zieht mit dem kleinen Paul und ihrem neuen Ehemann bald nach Riga um, wo Paul konfirmiert wird und zur Schule geht. Die Mutter heiratet in Riga noch ein drittes Mal, diesmal einen Carl Oberg, der mit Musikinstrumenten handelt und Paul sicher beeinflusst hat (vielleicht ist sein späterer Künstlername O’Montis auch eine Abwandlung von Oberg).
Mit 17 schreibt Paul jedenfalls sein erstes Operettenlibretto: ein Varietéstück mit dem Titel „Comtesse Rokoko“, das im Deutschen Stadttheater aufgeführt wurde. Ein Jahr später, 1913, folgt „Die fromme Klotilde“, ein Stück über Pariser Lebemänner und -damen (Prostituierte) und Paul experimentiert herum wie mit seiner Fledermaus-Parodie „Die Göttermaus oder die Flederdämmerung“.

Dann beginnt der Erste Weltkrieg. Paul Wendel gerät in ein russisches Kriegsgefangenenlager und singt Kabarettlieder. Anschließend landet er mitten in der Russischen Revolution in Petrograd, tritt dort in einem Kino-Varieté auf. Irgendwann nach Kriegsende gelangt er mit seinem Programm „intimer Lieder“ bis nach Berlin. Anfangs versucht sich er sich mit allen möglichen seiner Talente über Wasser zu halten – er schreibt Operetten, unter anderen 1919 „Der blaue Mieder“, er fungiert als Drehbuchautor von Stummfilmen wie „Die Sabbatkönigin“ (1920), „Das Diadem der Zarin“ (1922), „Der Mann mit der eisernen Maske“ (1923) oder „Detektiv Nobody“ und illustriert Krimis wie „Enigma – Die Gaunerstreiche einer schönen Frau“ (1923).

Sein eigentliches Ding aber wird der große Auftritt als Paul O’Montis und Interpret witziger und „pikanter Chansons“. Einer seiner ersten verbürgten Auftritte auf Kleinkunstbühnen findet im Mai 1924 im Varieté Café Zielka in der Friedrichstraße statt. Nachdem er im Oktober 1925 u.a. im Charlott-Casino am Kurfürstendamm auf der Bühne steht, wird er erstmals von der Presse gelobt, und 1926 schon fast bejubelt. Seine Nonsens-Couplets, die Wortspielereien und süffisanten Zweideutigkeiten und die selbstironische Koketterie mit seiner Homosexualität kommen an.
Montevideo (1925)
(…) Montevideo
Ist keine Gegend für meinen Leo
Denn man weiß, dort ist’s heiß
Und so schwül fürs Gefühl
Montevideo, Montevideo
Nie mehr im Leben lass ich den Leo
Dir in die Näh, Montevideo (…).
Ein Jahr später gilt O’Montis schon als „König der Chansonniers“, tritt im Wintergarten und im Rundfunk auf und singt seine Lieder auf Schallplatten ein; am Ende sollen es insgesamt sollen um 120 Platten gewesen sein. Der distinguierte Galan mit dem Monokel, dem Smoking, dem blütenweißen Hemd und der wahlweise schwarzen oder weißen Fliege hat eine charmante Stimme und setzt sie mit verspielter Manier ein, mal frech, mal schnulzig, mal melancholisch, mal exaltiert oder pathetisch. Die Parodie und der schwule Habitus werden sein Markenzeichen.

Bald tourt Paul O’Montis als Unterhaltungskünstler auch durch die Lande, nach Hannover oder Hamburg und ins Ausland, nach Riga oder Königsberg. Er hat Witz und Selbstironie, seine Chansons strotzen von sexuellen Anspielungen, auch wenn er sich nicht öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Doch zu dieser (Weimarer) Zeit scheint alles möglich. Das Androgyne feiert Triumphe; nicht nur die „neue Frau“, auch der „neue Mann“ bricht zu neuen Ufern auf und O’Montis kann problemlos einen frechen Schlager wie „Was hast du für Gefühle, Moritz?“ aufnehmen, ein frühes Beispiel für einen „LGBT-Song“, getextet von Altmeister Fritz Löhner-Beda, der später in Auschwitz ermordet wird, und wie auf Paul O’Montis selbst zugeschnitten:
Sie kennen doch vom Kino
Den schönen Valentino
Und haben wohl schon hundertmal
Den Harold Lloyd bewundert
Die Mischung von den beiden
Gesteh‘ ich ganz bescheiden
Und kann es auch beeiden
Das ist er
Wenn er erscheint beim Fünfuhrtee
Gamaschen, Schlips und Cutaway
Kurzum, das ganze Ausgeseh
Das ist der Moritz Weiß
Der Gang, der Blick, der leise Tritt
Der elegante Hosenschnitt
Da hüpfen alle Herzen mit
Und alles flüstert leis
Was hast du für Gefühle, Moritz, Moritz, Moritz
Sind’s kühle oder schwüle, Moritz, Moritz, Moritz
Du sagst nicht Ja, du sagst nicht Nein
Du bist so fein, und doch gemein
Du hast ein Herz für viele, Moritz, Moritz, Moritz
Du bist zu schön, um treu zu sein.
Die schöne Frau Camilla
Empfängt ihn in der Villa
Sie hat ihn oft gebeten
Bei ihr mal einzutreten
So wie ein bunter Falter
Im vorgeschrittnen Alter
Mit einem Busenhalter
Sitzt sie da
Doch er macht nicht von ihr Gebrauch
Hat g’faltne Hände überm Bauch
Und bloß nur durch die Nasen Rauch
Das macht sie nervios
Sie hat schon alles aufgetischt
Ein Griff, ein Dreh, das Licht verlischt
Sie wart‘ und wart‘
Es rührt sich nischt
Und überhaupt, was ist denn los
Was hast du für Gefühle, Moritz, Moritz, Moritz
Sind ’s kühle oder schwühüle, Moritz, Moritz, Moritz
Du sagst nicht ja, du sagst nicht nein
Da muss was nicht in Ordnung sein
Du hast ein Herz für viele, Moritz, Moritz, Moritz
Du bist zu doof, um treu zu sein.
Anhören: https://youtu.be/nS0OQuxA9K8?si=hAzV1_SqytIvv06S
Auf den Schallplattenaufnahmen gibt es nur diese beiden Strophen mit den Anspielungen über den offensichtlich nicht so ganz hetero-normativen Moritz. Die dritte Strophe, die nur in der Notenausgabe zu finden ist, endet noch eindeutiger. Denn der liebe Moritz baggert den Portier ran:
Du ziehst die Stirn‘ in Falten
Und schaust sehr ungehalten
Wie war das bei Frau Walisch
Warst du da auch so moralisch
Auch sagte mir mein Bruder
Du kaufst Parfum und Puder
Für dieses kleine Luder aus der Bar
Und die verrückte Lauterböck
Die hat am Hals ’nen blauen Fleck
Und sagte allen Leuten keck
Sie hätte ihn von Dir
Und Fräulein Lilly im Kontor
Die küsst Du immer hinters Ohr
Und gestern hast Du bei dem Tor
Kokettiert mit dem Portier.
Der Song trifft den Nerv der Zeit, und das Publikum amüsiert sich köstlich über „Moritz Weiß“, den Dandy mit dem eleganten Hosenschnitt und dem leisem Tritt. Einige der Lieder von O’Montis fallen jedoch völlig aus diesem Rahmen, Lieder mit explizit jüdischer Thematik, in denen es um Not und Tod im osteuropäischen Stetl und im Krieg geht:
Kaddisch
(Kurt Robitschek, Otto Stransky, 1928):
Durchs Dorf geht ein Schrei, man fragt sich: Was ist geschehen?
Es heißt, alle Männer müssen heut zu den Soldaten gehen
Yankel, der Schmied, küsst sein Weib
Und sagt: „Wenn Gott will, dass ich dort bleib‘
Dann wein‘ nicht die Augen dir blind
Und lerne des Abends unserem Kind:
Mein Kind, musst beten für deine Taten
Bei den Soldaten
Ist er dabei
Knie mit mir nieder
Wenn Gott will, kommt er wieder
Denn groß ist unser Adonai.
Da tritt eines Tags der Rabbi zur Tür herein:
„Hört zu, Esther, morgen musst du schon zum ersten Kaddisch sein“
„Kaddisch, für wen, großer Gott?“
„Esther, sei stark, dein Mann ist tot“
Sie weint nicht, zu groß ist der Schmerz
Sie drückt nur sein Kind an ihr Herz
Mein Kind, musst beten für deine Taten
Bei den Soldaten
War er dabei
Knie mit mir nieder
Denn er kommt nie mehr wieder
Doch groß ist unser Adonai
Anhören: https://youtu.be/OgVoqE0sqio?si=NEzKnLBW6MvcsqTO

Ghetto
(Ralph Erwin/ Fritz Rotter, 1929):
Weit, weit in Polen, am Ufer des Dniestr da bin ich zu Haus.
Da hatt‘ ich mein Weib und mein Töchterle,
die Esther, die machten meinen Himmel aus.
Weil man bei uns hat nicht Handeln gekennt,
hab‘ ich e bissele das Geigen gelernt,
Und gab es im Dorf eine Hochzeit,
wurd gleich nach dem Fiedler gerennt.
Ich bin nur ein polnisch Jidl
Mit meine Liedl, verdien‘ ich mir mein Stückl Brot.
Mein Reichtum ist meine Fiedl,
Mein ganzes Glück war auf den Wangen
meiner Esther bisserl rot.
Weit, weit in Polen, am Ufer des Dniestr,
ist der Krieg entbrennt.
Bei Nacht und bei Nebel bin ich mit meiner Esther
und mit mein’m Weib davon gerennt.
Wochen und Wochen über Steine und Feld,
Tage und Nächte in der eisigen Kält,
das konnten die zwei nicht ertragen.
Jetzt bin ich allein auf der Welt.
Ich bin nur ein polnisch Jidl …
Anhören: https://youtu.be/iFqhFYwb2Nw?si=dnjzmiVoC8CcAHN6
Offenbar ist Paul O’Montis Ansehen so gefestigt, dass es seiner Karriere nicht schadet, in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus solche Lieder in sein Programm zu nehmen und auf Platten zu singen, oder er leidet als Außenseiter mit den jüdischen Paria mit. Etwas irritierend wirkt die Mischung, auf der Rückseite einer der „Ghetto“-Aufnahmen hören wir „Ich bin verrückt nach Hilde, die küsst ja wie ’ne Wilde“ (1929), ein weiterer seiner Songs, in denen ein Spiel mit den Geschlechtern und hier ein Transvestit oder eine Transsexuelle vorkommt:
Ich war schon bei Frida, das tu ich nie wieder
Die niest beim Küssen, weil sie Schnupfen hat
Dann war ich bei Ada, das war noch viel fader
Die liest dabei das Achtuhrabendblatt
Am schlimmsten aber war es bei Mariann‘
Dann stellte sich’s heraus, das ist ein Mann, oh…
Vielleicht ist es auch müssig, sich über die Zusammensetzung seines Repertoires Gedanken zu machen. Denn hier findet sich beinah alles, was damals populär war und sich gut verkaufen ließ – von „Das Herz einer Mutter“, die Verdeutschung von „A jiddishe Mame“ (https://youtu.be/dq8b76GU3K4) über „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ (https://youtu.be/Wphni5EIn3E?si=o3Q_gU3jlizNAx2-) und allerlei russische Volkslieder, aufgepeppt von Dajos Béla (Lew Golzmann) und seiner Kapelle, bis hin zu „Ich lasse nichts auf mein Deutschland kommen“ (https://youtu.be/d9wLR_C4EBc?si=wowBwbShoaCACSa9).

Sehr speziell und O’Monty-like wiederum klingt seine großartige Parodie „Ramona Zündloch“ von 1929, die er auf der Platte als „Eine Ballade aus dem Großstadtsumpf“ ansagt, bevor er dem Pianisten zuruft: „Beginne Knabe!“
Ramona Zündloch war nicht anders als die andern Frau’n,
sie liebte Alfred Braun, das Funkgenie.
Sie fand den Richard Tauber süß und musikalisch auch,
und Emil Jannings Bauch umschwärmte sie.
Sie hat bei Charly Chaplin nicht ein einziges Mal gelacht,
doch Amanullah hat sie Blumen ans Coupé gebracht.
Ramona Zündloch war fast ein Kind noch,
nur in der Liebe war sie ein verfluchtes As,
Spaß, wo sie direkt doch an der Quelle saß.
Denn ihre liebe Mutter hat ein Schönheitsinstitut geführt,
und hat dort Herrn massiert, streng rituell,
und eines Tages sah ein Perser ihre Tochter dort,
er nahm sie mit sich fort, in sein Bor – äh, Hotel.
Er hat ihr Van de Velde tropfenweise beigebracht,
doch sie war schon vollkommen ehe – er’s gedacht.
Und dieser Perser wurd‘ stets perverser,
bis eines Tages ihr nicht wurde ganz und gar
klar, ob sie ein Weibchen oder Männ-e-chen war.
Dann hat sie bei Piscator jugendlich naiv gespielt
und hat ’nen Punkt erzielt bei Alfred Kerr.
Dann blieb ihr weiter nichts mehr übrig als die Heilsarmee,
dort sang sie „Groß, juchhe! ist unser Herr!“
Dann nahm Bert Brecht sie für drei Groschen auf sein Chaiselongue,
und was da übrig blieb von ihr, war nichts als dieser Song.
Ramona Zündloch bekam, hei, ein Kind noch.
Jetzt sitzt se an der Kasse im Panoptikum,
schrumm!
O Gottogott, wie geht so’n Jungfernleben schnell und schmerzlos um.
Ramona, Ramona, tralalalihiii …
Anhören: https://youtu.be/I123J_JUMcU

Paul O’Montis ist ein bekannter Mann, als im Januar 1933 die Nazis an die Macht kommen, auch wenn er den Zenit seiner Karriere offensichtlich bereits überschritten oder die Weltwirtschaftskrise den Absatz seiner Schallplatten hat einbrechen lassen. Im Oktober 1933 tritt er noch einmal bei den Scala-Festspielen auf, die von Joseph Goebbels als „Festspiele der anrüchigen Figuren“ denunziert werden. Im Dezember 1933 wird er nach einer gut besuchten Show im Kölner Kaiserhof verhaftet und wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 175 und Kuppelei zu einem Jahr und neun Monate Gefängnis verurteilt, nachdem ihn zwei minderjährige Strichjungen belastet hatten und dabei auch seine missliebigen politische Ansichten zu Sprache gekommen waren. Die NS-Presse, die ihn kurz zuvor noch gelobt und ein Interview mit ihm abgedruckt hatte, macht sich nun genüßlich über den perversen „Jugendverführer“ her. Der Sänger sitzt die Strafe vollständig ab und wird im September 1935 in Köln aus der Haft entlassen.

Seine Karriere in Deutschland ist vorbei. Wohin, wenn man die deutsche Sprache braucht, um mit seiner Kunst zu überleben? Paul Wendel versucht es in der Schweiz. Dort wird ihm die Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert und er weitergetrieben, nach Wien. Während er in Nazi-Deutschland seit 1935 Auftrittsverbot hat, kann er noch ein paar kleine Auftritte realisieren – in den Niederlanden, in der Tschechoslowakei, in Polen und Jugoslawien – und 1937 noch eine Schallplatte in Wien aufnehmen: „Danke schön, es war bezaubernd“ und „Die Hände der Mutter“, ein Text von ihm selbst.

Kurz vor dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich hat Paul O’Montis ein Gastspiel in Zagreb. Die Presse ist begeistert von ihm. Das „Morgenblatt“ in Zagreb schreibt: „(… ) Abends tritt er mit dem schneidig ins Auge geklemmten Monokel, dem weißen Smoking mit seiden- schimmerndem Revers und einem eigenartigen sarkastischen Lächeln vor das Publikum. Seine Chansons sind Glanzstücke der alten und neuen Kabarettkunst, vorgetragen mit einer prächtigen, anziehenden Stimme und garniert durch unnachahmliche Gesten und Bewegungen. Im Gegensatz zu anderen Chansonniers ist Paul O’Montis der ideale ‚Vortragende‘. Niemals derb und doch beißend gewürzt, humorvoll und dennoch niemals banal seine Chansons, – das hat ihn vor allem berühmt gemacht. Die Schallplatten mit seiner Stimme laufen in zwei Weltteilen. Er ist ebenso sehr Russe als Deutscher, weil er in beiden Ländern aufgewachsen ist. Er singt deswegen auch russisch und deutsch, nach Belieben, wie es das Publikum will, und ist ansonsten ein amüsanter Plauderer und Conférencier. Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle! Wie er selbst sagt, ,beliebt bei älteren Damen und jüngeren Herren. (..).“
Paul O’Montis bemüht sich um eine jugoslawische Aufenthaltserlaubnis; doch seine sexuelle Orientierung hat sich auch hier bis in die Amtsstuben herumgesprochen, ein Aufenthalts- und Einreiseverbot wird erteilt.
1938 flieht er nach Prag weiter. Im September wird er erneut wegen „Unzucht gegen die Natur“ verhaftet, und zu drei Monaten verurteilt, profitiert aber von einer Amnestie und kann sich im März 1939 offiziell als Untermieter am Fügnerplatz 6 anmelden, seine letzte amtliche Adresse. Denn er wird bereits im Juni, inzwischen ist auch die Tschechoslowakei besetzt, erneut verhaftet. Vermutlich sitzt er die Monate in einem Prager Gefängnis, bis man ihn Ende Mai 1940 unter der Nummer 25131 als „Schutzhäftling § 175“ in das KZ Sachsenhausen überstellt und in den (Isolier-)Block 35 einweist.

Ein besonders perfider Ort, an dem SS-Leute, Kapos oder Blockälteste die „Rosa-Winkel-„Häftlinge zum Spaß und aus den nichtigsten Gründen quälen und prügeten, und wo sich ständig Gefangene umbringen oder umgebracht wurden. Der damalige politische Häftling Robert Brink:
„Im Block 35 befanden sich die Homosexuellen. […] Der Blockälteste […] mordete dauernd Leute in seinem Block. Weder die Lagerleitung noch die SS in der Isolierung boten diesem Treiben Einhalt. […] Eines Sonntagnachmittags kam der bekannte Vortragskünstler, genannt Paul Remontes, zu mir und bat mich um meinen Schutz, da ihm von Seiten des Blockältesten Ruppel angedroht worden war, er würde in der kommenden Nacht erledigt werden. Ich besprach die Sache mit meinem Vertrauten und Stubenältesten Paul Bonnemann. Bis in die Nacht haben wir beide heimlich zusammengesessen und beratschlagt, wie dem Burschen sein mörderisches Handwerk gelegt werden könne. Das Ergebnis war folgendes: Unter eigener Lebensgefahr ging ich am nächsten Tag, durch den in der Nacht tatsächlich erfolgten Mord an Paul Remontes erbittert und ermutigt, zu Bugdalle hin (…)“.
Für Paul O’Montis kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Er stirbt in der Nacht zum 17. Juli 1940 mit 46 Jahren durch Folter und Gewalt mindestens eines „Mithäftlings“. Die offizielle Todesursache lautet „Freitod durch Erhängen“.

Weitere Tonaufnahmen von Paul O‘Montis auf Youtube:
· Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche: https://youtu.be/ghmTYCE2xBw?si=5CCtUEpVsVvz97Ng
· Die Susie bläst das Saxophon: https://youtu.be/6_CEHeuUR-0?si=8fLVQKhPOgD4f1X4
· Fünf-Uhr-Tee bei Familie Kraus: https://youtu.be/aQXeSqzXONw?si=yODHTzkcjP9YlmPZ
· Wissen Sie, dass Ungarisch sehr schwer ist: https://youtu.be/LztPyArvF48?si=ZBAdcx_VWqSld8wc
· Adelheid, du hast das Sex appeal: https://youtu.be/-EddeNkUR5I?si=Q56rkOJtxaoRlK-r
· Das Nachtgespenst: https://youtu.be/TVU52Ef75tQ?si=JF72__j7yZ2brJST
· In der Bar zum Krokodil: https://youtu.be/AUcdF1q4B7c?si=VGyzM6hwD-_TymR_
· Chanson für Hochwohlgeborene: https://youtu.be/9OrMaens8r4?si=DUDlFwuO32OVz442
· Heut geh‘n wir morgen erst ins Bett: https://youtu.be/8N4BKeMkrL4?si=7EWyy2rit5_uSlhG
· Tante Bertha geht nicht ohne ihr’n Revolver ins Bett: https://youtu.be/DVGXQI_ALPI?si=g6K-bHSYF1zUJyrk
· Du bist in letzter Zeit so schrecklich blond geworden: https://youtu.be/ySIzyCe7oeo?si=wziuZIswnWN0zZnV
· Wenn ich einmal traurig bin: https://youtu.be/pgq0N_wSMUE?si=N6KKXhmLtnGo1o6D
· Tonfilm-Parodie zu Wilhelm Tell: https://youtu.be/QpXnDMLHG9U?si=A3fCf6vilZA_eGDa
· Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten: https://youtu.be/O1j7HYqm0iU?si=_aIJgakRoqk0aijq
· Dankeschön, es war bezaubernd: https://youtu.be/XLghhr78oE0?si=7B_R0NcKEB9WNFo


Wer mehr über Paul O’Montis wissen möchte, lese das großartige Buch von Ralf Jörg Raber: „Beliebt bei älteren Damen und jüngeren Herrn“: Paul O’Montis – Biografie eines Vortragskünstlers; Metropol-Verlag 2021, ISBN 9783863315788

So wunderbar. Lerne ich auswendig. Fritz Rotter war mein Onkel. Danke, Yu!
Maria Ossowski Kulturjournalistin Mobil: 004915152655798
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