Karibischer »Kibbuz«

Die »Domrep«, die Dominikanische Republik, hat heute ein wenig den Ruf eines All-Inclusive-Billig-Reiseziels mit mehreren Millionen Besuchern jährlich. Dass der Karibikstaat in der Zeit des Nationalsozialismus Juden aufgenommen hat, denen wiederum der Beginn des Tourismus zu verdanken war, ist kaum bekannt. Der in Santo Domingo lebende Autor Hans-Ulrich Dillmann und die Historikerin Susanne Heim erzählen … Karibischer »Kibbuz« weiterlesen

Schlafstunde & Kurzschluss

Ein Wörterbuch über die Sprache der Jeckes ist in Israel ein Bestseller Federbett, Katzenwäsche, Streuselkuchen, Heinzelmännchen, Kaffeeklatsch, Kuchengabel, Nachthemd, Waschlappen, Stinkkäse, Stammtisch… Was könnte typischer deutsch klingen?!  Es war ein Aufruf des »Irgun Jeckes«, der »Vereinigung der Israelis mitteleuropäischer Herkunft« in deren 1932 gegründeten »MB (= Mitteilungsblatt) Jakinton«, dem fast 400 Leser folgten und drei Jahre … Schlafstunde & Kurzschluss weiterlesen

275 Stunden mit Adolf Eichmann

Avner Werner Less, 1916–1987 Bettina Stangneth wurde auf ihn aufmerksam, weil zwischen den 3 564 (!) Seiten Abschrift des Verhörs, das Avner Werner Less zwischen Mai 1960 und Januar 1961 mit Adolf Eichmann geführt hatte, ein Notizzettel steckte, der sie neugierig machte. »Lüge!!! alles Lüge!!!« stand darauf, weiter nichts. Wer war der Mensch hinter dem israelischen … 275 Stunden mit Adolf Eichmann weiterlesen

Der Weg ist das Ziel

Elchanan Nathan Adler reiste zwei Jahrzehnte durch die gesamte jüdische Diaspora des 19. Jahrhunderts 1888 begab sich der 27-jährige Dr. Elchanan Nathan Adler – „Wissenschaftlicher Reisender“ und Sohn des Chiefrabbiners von England – zum ersten Mal nach Palästina. Wie es Touristen heute noch immer tun, wun­dert sich auch Adler hier zunächst über die „Kleinheit aller Dinge. … Der Weg ist das Ziel weiterlesen

Abstrakter Realist

Chaim Kiewe (1912-1983) war einer der ersten abstrakten Maler Israels Chaim (ursprünglich Egon) Kiewe wurde im ostpreußischen Dlottowen (Dłutowo) geboren. Seine Eltern, Luis Lewin Kiewe aus Janowitz und Johanna Toller (verwandt mit dem Schriftsteller Ernst Toller) aus Kletzko, die einzige jüdische Familie im Dorf, besaßen einen Gasthof und züchteten Pferde. Nach dem Ersten Weltkrieg, Anfang … Abstrakter Realist weiterlesen

Die Stiftungen der Hofjuweliersfamilie Ephraim 

"…Die Erinnerung, daß der Mensch zuletzt am Ende wandeln muß, und daß ihm sodann seine irdischen Güther nicht nachfolgen weder ferner nützen können, solle billig einen jeden Rechtschaffenen auffordern, zum Nutzen seiner Seele, ein Theil seines Vermögens zu einer milden Stiftung anzuwenden, damit ihm ein solches gute Werk, einst vorschreiten und den Weg zur Seeligkeit … Die Stiftungen der Hofjuweliersfamilie Ephraim  weiterlesen

Synagogenmusik aus Süddeutschland

Beim Stichwort Süddeutschland fallen den meisten vermutlich eher Bier, Dirdl und Lederhosen als Juden und Synagogalmusik ein. Und doch haben sowohl Bier als auch Trachten eine jüdische Komponente und liegen in Süddeutschland die Wurzeln der modernen Synagogal- und Chormusik. Es war der Chasan, Sänger und Musikologe MAIER KOHN (1802–1875), der noch vor Louis Lewandowski 1839 die erste moderne Sammlung von Synagogengesängen herausgab. Diese sogenannten »Münchener Gesänge« waren eine Neubearbeitung … Synagogenmusik aus Süddeutschland weiterlesen

Bergmanns wunderbare Teilacher-Trilogie

Michel Bergmann erzählt in seinen im Abstand von einem Jahr erschienen drei Romanen »Die Teilacher«, »Machloikes« und »Herr Klee und Herr Feld« die Geschichte jüdischer Existenz im Deutschland nach 1945 aus einer lupenscharfen Mikroperspektive. Die Trilogie beginnt mit dem Besuch des jungen Schauspielers Alfred Kleefeld im jüdischen Altersheim in Frankfurt (»am Arsch der Welt«), wo er das Zimmer seines grad verstorbenen Nenn- und Lieblingsonkels David Bermann ausräumen soll, und sie endet 40 Jahre später mit Alfreds eigenem Tod. Dazwischen liegt – verschachtelt in mehreren Handlungssträngen – ein Universum an exemplarischen Lebensgeschichten.Während Alfred im ersten Band Onkel Davids Nachlass sortiert (und dabei eine schockierende Entdeckung macht), erinnert er sich anhand der Fundstücke – Bilder, Briefe, Dokumente – an die Geschichte Davids, der unter anderem der Liebhaber seiner Mutter war, die sich und … Bergmanns wunderbare Teilacher-Trilogie weiterlesen

Stasi-Himmel

Die Odyssee eines jüdischen Kinderarztes durch die Gefängnisse der DDR 1968. Anatol Rosenbaum, der damals noch Held heißt, wird in Ost-Berlin verhaftet. Das Verbrechen des 29-jährigenKinderarztes besteht darin – schreibt er in seinen Erinnerungen – „zusammen mit meiner Familie das unfreie Land des roten Sozialismus verlassen zu wollen“. Verurteilt wird er letztlich als „zionistischer Agent“, derein Land verraten haben soll, „in dem sogar Juden Generäle werden können“, wie er einen seiner Vernehmer zitiert.Und … Stasi-Himmel weiterlesen

Kallmann & Coleman

Wie sich ein Geschwisterpaar nach 60 Jahren dank Internet wiederfand »Hören Sie, ich habe meine Schwester wiedergefunden. Wir sehen uns zum ersten Mal wieder, nach 60 Jahren! Ist das nichts für die Zeitung?«…  Das Telefonat fand Ende Dezember statt. Bereits einen Monat später sitzen die »wiedervereinigten« Geschwister, die seit Jahrzehnten schlappe 6500 Kilometer voneinander entfernt … Kallmann & Coleman weiterlesen