Bergmanns wunderbare Teilacher-Trilogie

Michel Bergmann erzählt in seinen im Abstand von einem Jahr erschienen drei Romanen »Die Teilacher«, »Machloikes« und »Herr Klee und Herr Feld« die Geschichte jüdischer Existenz im Deutschland nach 1945 aus einer lupenscharfen Mikroperspektive. Die Trilogie beginnt mit dem Besuch des jungen Schauspielers Alfred Kleefeld im jüdischen Altersheim in Frankfurt (»am Arsch der Welt«), wo er das Zimmer seines grad verstorbenen Nenn- und Lieblingsonkels David Bermann ausräumen soll, und sie endet 40 Jahre später mit Alfreds eigenem Tod. Dazwischen liegt – verschachtelt in mehreren Handlungssträngen – ein Universum an exemplarischen Lebensgeschichten.Während Alfred im ersten Band Onkel Davids Nachlass sortiert (und dabei eine schockierende Entdeckung macht), erinnert er sich anhand der Fundstücke – Bilder, Briefe, Dokumente – an die Geschichte Davids, der unter anderem der Liebhaber seiner Mutter war, die sich und … Bergmanns wunderbare Teilacher-Trilogie weiterlesen

Stasi-Himmel

Die Odyssee eines jüdischen Kinderarztes durch die Gefängnisse der DDR 1968. Anatol Rosenbaum, der damals noch Held heißt, wird in Ost-Berlin verhaftet. Das Verbrechen des 29-jährigenKinderarztes besteht darin – schreibt er in seinen Erinnerungen – „zusammen mit meiner Familie das unfreie Land des roten Sozialismus verlassen zu wollen“. Verurteilt wird er letztlich als „zionistischer Agent“, derein Land verraten haben soll, „in dem sogar Juden Generäle werden können“, wie er einen seiner Vernehmer zitiert.Und … Stasi-Himmel weiterlesen

Kallmann & Coleman

Wie sich ein Geschwisterpaar nach 60 Jahren dank Internet wiederfand »Hören Sie, ich habe meine Schwester wiedergefunden. Wir sehen uns zum ersten Mal wieder, nach 60 Jahren! Ist das nichts für die Zeitung?«…  Das Telefonat fand Ende Dezember statt. Bereits einen Monat später sitzen die »wiedervereinigten« Geschwister, die seit Jahrzehnten schlappe 6500 Kilometer voneinander entfernt … Kallmann & Coleman weiterlesen

Jizchak Schwersenz sel.A.

Eine Erinnerung an Heinz Joachim Schwersenz (1925–2005)Der Mann schafft es noch immer, einen ganzen Saal zwei Stunden lang in atemloser Spannung zu halten, aus dem Stegreif. Ein Lehrer wie aus dem Bilderbuch. Und Lehrer wollte er immer werden, „schon als Kind“ – sagt Jizchak Schwersenz. Er sitzt auf dem Podium im Ruder-Club „Welle Poseidon“ am Wannsee und erzählt sein Leben – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit: 90 Jahre in 90 Minuten, eine Minute für jedes Jahr dieses schrecklichen 20. Jahrhunderts, seines Jahrhunderts. Der Ort ist kein Zufall. „Welle Poseidon“, 1894 gegründet, war einmal ein mehrheitlich jüdischer Ruderclub. Anstatt, wie geplant, 1936 an der Olympiade teilzunehmen, wurde der Verein erst aus allen Verbänden ausgeschlossen und dann zwangsaufgelöst. In den … Jizchak Schwersenz sel.A. weiterlesen

Kuhschuhe

der „kuhschuh" sollte nicht etwa kleine männer größer erscheinen lassen; er wurde von alkoholschmugglern getragen, um ihre fußabdrücke zu verschleiernwährend der alkoholprohibition in den usa (1919-1933) war nicht nur das brauen, aber auch der transport von alkohol verboten. die schwarzbrenner, denen ständig die polizei auf den fersen war, schnallten sich also kuhhufen ähnelnde geschnitzte holzblöcke … Kuhschuhe weiterlesen

Deutsch, jüdisch, moslemisch, schwul

hugo (hamid) marcus (1880–1966) war - als deutscher jude geboren und schwul - eine schillernde figur und der einflussreichste muslim der zwischenkriegszeit in deutschland der sohn eines posener holzgroßhändlers ging 1903 nach berlin, um im sinne seines vaters wirtschaftswesen zu studieren, wechselte aber schnell zur philosophie, gewann georg simmel als mentor für sich, promovierte und … Deutsch, jüdisch, moslemisch, schwul weiterlesen

Brandzeichen

mit solchen „branding tools“ machte die englische armee ihr „eigentum“ an deserteuren und schwerverbrechern kenntlich; die metallspitzen wurden erhitzt, um einen dauerhaften abdruck auf der hand einzubrennen. das werkzeug auf dem bild stammt aus der zeit des englischen bürgerkriegs (1641–1651), die initialen „c“ und „r“ rechts und links von der krone stehen wahrscheinlich für „carolus … Brandzeichen weiterlesen

Wider die Verführung junger Mädgen…

„verordnung wider die verführung junger mädgen zu bordels, und zur verhütung der ausbreitung venerischer uebel“, erlassen in berlin vor 241 jahren.  auszüge:es ist in erfahrung gebracht, daß junge einfältige mädgen, besonders aus kleinen städten, unter arglistigen vorspiegelungen, sie in vorteilhafte dienste unterzubringen, nach berlin gelockt, hier aber, ohne es zu wissen, in bordels gebracht, und … Wider die Verführung junger Mädgen… weiterlesen

Der Junge von El Plomo

die permafrostleiche des inka-jungen, der vor etwa 520 jahren lebendig begraben wurde, war eine archäologische sensation, als sie am 1. februar 1954 in den anden bei santiago de chile gefunden und anschließend als erstes derartiges ritual-opfer wissenschaftlich untersucht wurde. für die inkas waren ihre hohen berge götter, die mit reichen opfergaben gnädig gestimmt werden mussten, an … Der Junge von El Plomo weiterlesen