Buber über Agnon


Samuel Agnon (Czaczkes), 8.8.1887–17.2.1970, Literaturnobelpreis 1966, zusammen mit Nelly Sachs

„Sie wollen von mir (…) ein Wort über unseren Freund Agnon hören. Nicht viele, sondern eines. Hier ist es: Agnon hat die Weihe zu den Dingen des jüdischen Lebens. Es gibt andere, die wie er um diese Dinge wissen, aber ihr Wissen ist dürr. Es gibt wieder andere, die wie er um diese Dinge fühlen, aber ihr Gefühl ist verschwommen. Agnon ist von den wenigen, die die Weihe zu den Dingen des jüdischen Lebens haben. Die Weihe ist nicht nüchtern und sie ist nicht sentimental, sie ist glühend und fest. So ist Agnon.
Weihe: Ich meine nicht die falsche, die hochmütig und durchseucht von Gebärde ist, sondern die rechte; sie ist still, demütig und treu. So ist Agnon. Er ist berufen, ein Dichter und Chronist des jüdischen Lebens zu werden; des einen, das heute stirbt und sich verwandelt, aber auch des anderen, werdenden, unbekannten. Galizier und Palästinenser, Chassid und Pionier, trägt er in seinem treuen Herzen die Essenz beider Welten im Gleichgewicht der Weihe. Soll ich sagen, wie wir ihn schätzen?
Wir lieben ihn.“
Martin Buber (1916)

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