
Im Mai 1928 wurde das weltweit erste kugelförmige Gebäude als Teil der Jahresausstellung „Deutsche Arbeit – Die Technische Stadt“ am damaligen Stübelplatz (heute Straßburger Platz) in Dresden errichtet.
Die Schau wollte aktuelle und künftige urbane Leitbilder zur Diskussion stellen und zeigen wie die moderne Technik in das Leben der Menschen eingreift und hilfreich sein kann – so in den Bereichen Verkehr, Straßenmöblierung, Nachrichtenwesen, Hoch- und Tiefbau bis hin zur Abfallentsorgung.
Der absolute Hingucker der Ausstellung wurde das futuristische Kugelhaus des in Elberfeld geborenen und als Professor an der TH München tätigen Architekten Peter Birkenholz (1876–1961), der zeitlebens ein Faible für kuglige Gebäude hatte, die sich aber nie durchgesetzt haben (unten ist er um 1954 mit seiner Kugel-Garage abgebildet).

Sein Gebäude in Dresden wurde in nur acht Wochen Bauzeit errichtet. Es hatte einen Durchmesser von 24 Metern, war 27 Meter hoch, verfügte über sechs Etagen und einen Personenaufzug. Durch eine kreisrunde, atriumartige Öffnung konnte man im Gebäude nach oben oder unten blicken. Nur das oberste Stockwerk mit dem Restaurant war ein geschlossener Raum mit schräg liegenden Fensterfronten, von denen aus man das angrenzende Ausstellungsgelände überblicken konnte. Die Verkleidung des auf Stahlskeletts bestand aus Blech, der Sockel aus Beton.

Eine Neuheit des Kugelhauses war der großflächige Einsatz von Reklame als integrativer Teil der Architektur. Mit seinen weithin strahlenden Leuchtbuchstaben stellte das Kugelhaus auch nachts eine visuell höchst reizvolle Attraktion dar. Insgesamt haben in diesem Jahr 1,8 Millionen Menschen die „Technische Stadt“ besucht.

Es wurden Postkarten gedruckt und auch die internationale Presse nahm die Neuheit begierig auf; die einen sprachen von einem „kühnen Versuch“, die anderen sahen die Ausstellung durch das prominent platzierte Bauwerk „hart an den Rand einer Jahrmarktsveranstaltung“ gebracht oder das Haus gar als „wahnsinnige“ Idee der Architektur und als „schlechten Scherz“ wie der österreichische Kunsthistoriker Hans Sedlmayr. Und auch die Karikaturisten bekamen reichlich Stoff und machten sich lustig, wie hier:

Nach der 1928 diente das markante Bauwerk weiter als Präsentationsraum und Werbefläche für diverse Industrieunternehmen, vorwiegend aus dem Bereich Elektrotechnik und Energie.

Im Frühjahr 1938 ließ die nationalsozialistische Stadtverwaltung das Gebäude abreißen. Nach einigen Quellen, weil sich kein Käufer oder Betreiber fand, nach anderen, weil der Architekt angeblich jüdischer Herkunft und das Kugelhaus angeblich „undeutsch“ war. Zuvor war es von der NS-Presse als „Ausgeburt einer entarteten Technik“ angegriffen worden, erinnerte es doch an die Architektur der sowjetischen Konstruktivisten, an die so genannte französischen Revolutionsarchitektur und an das von den Nazis verpönte Bauhaus.

