Lustige Boys in Teheran

Wie eine jüdische Tanzkapelle aus Kraków der Schoa entkam, weil sie kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen der Einladung gefolgt war, bei den Hochzeitsfeierlichkeiten des späteren Schahs von Persien in Teheran zu spielen…

Im März 1939 hatte der iranische Kronprinz Mohammad Reza Pahlavi in Kairo die 17-jährige Prinzessin Fausia geheiratet. Die Tochter von König Fuad und Schwester des späteren König Faruq galt als die »schönste Frau Ägyptens« und die Ehe sollte die politische Verbindung zwischen Iran und Ägypten sichern. Nach der Ankunft des Paars im Iran wurde die Hochzeitszeremonie im August 1939 im Marmorpalast in Teheran nach schiitischem Ritus wiederholt, und es folgten weitere Feierlichkeiten mit Tanz und Musik.

Jemand aus dem Umfeld des Königshauses hatte die »Jolly Boys Band« in einem polnischen Skiort spielen hören und sie für die Feiern in Teheran engagiert. Die jüdische Tanzkapelle aus Kraków war in den 30er-Jahren in Polen sehr populär und trat neben ihren Heimspielen im Krakauer »Feniks« Café (ul. św. Jana 2) und in der »Cyganeria« (ul. Szpitalna 38) im ganzen Land von Łódź bis Lwów, »Lodsch« bis Lemberg, auf. Und sie gastierte regelmäßig in den schicken Kur- und Skiorten Krynica, Morskie Oko und Zakopane, im Restaurant von Stanisław Karpowicz und im Etablissement von Franciszek Trzaska, dem berühmtesten Schuppen am Ort.

Bei Trzaska fanden die ersten Tanzveranstaltungen überhaupt in Zakopane statt, wurde der Schönheitswettbewerb »Miss Zakopane« ins Leben gerufen und hier waren die Schickeria, die ausländischen Touristen, die besten Orchester und die wichtigsten Persönlichkeiten der Zweiten Republik zu Gast. Den damaligen Presseberichten nach waren die »Fröhlichen Jungs« aus Krakau die beste Jazzband im »Trzaska« und der »Publikumsliebling von Zakopane«. Es ist also sehr gut möglich, dass der iranische Prinzenberater sie hier entdeckt hat.

Der Jazz aus dem fernen Amerika hatte sich schon Anfang der 1920-er Jahre in Polen zu etablieren begonnen. Sein Epizentrum war Kraków. Hier wurden 1922 die Orchester von Zygmunt Karasiński und Szymon Kataszek gegründet, 1924 das erste Jazzalbum aufgenommen, 1926 die Jazz Association gegründet und 1927 unsere »The Jolly Boys Band«, die mit ihren amerikanischen Jazzstandards, Swing und Eigenkompositionen und witzigen Auftritten schnell zur angesagtesten Krakauer Formation wurde.
In polnischen Zeitungen finden sich diverse Anzeigen wie in der »Gazeta Bydgoska«, in der die Band 1929 im Café-Restaurant »Pod Orłem« angekündigt wurde: »Eigene Tanzkompositionen und (fettgedruckt) Gesang – Humor – Vergnügen.« Oder: Nach einem Konzert zu Silvester 1934 mit dem Saxophonisten Zygmunt Berland im »Astoria« in Katowice schrieb Władysław Komperda, Chefredakteur der »Polska Trybuna«, das Orchester der Brüder Sperber gehöre »zu jenen, die sich (…) angefangen bei den vornehmsten Lokalen der Hauptstadt bis hin zu allen Städten Polens, den Ruf als eines der besten Jazz-Orchester erworben haben. (…) Als Lieblinge des Publikums in ganz Polen kennen wir sie aus zahlreichen Sendungen des Polnischen Rundfunks und aus Auftritten in repräsentativen Lokalen.«
Die Presse berichtete begeistert über die Swing-, Improvisations- und Kompositionskünste der »jungen, fröhlichen und talentierten Band« und dass sich »die Fröhlichkeit der Band unter Leitung der bekannten Komponisten, der Brüder Sperber« auf die zahlreichen Zuschauer übertrage (»Trubadur Warszawy«, Nr. 30, 1930).

Wir wissen nicht, ob der Zeitpunkt Zufall war oder die jüdische Boygroup (wobei einige Boys da schon nicht mehr ganz so jung waren) den aufziehenden Krieg kommen sah und das Angebot, in Teheran aufzutreten, als willkommene Gelegenheit genutzt hat, Polen zu verlassen. Jedenfalls trafen sie im August 1939 in Teheran an – und blieben…

Mehr über die Band herauszufinden, ist nicht ganz einfach, weil sich im Zuge ihrer Popularität noch mehr Gruppen den Namen »The Jolly Boys« gegeben haben und weil die (Sekundär-)Quellen ungenau sind. So sollen, während unsere »Lustigen Knaben« bereits im Iran waren, eine »Jolly Boys Band« im Warschauer Ghetto im Café Gertner in der Tłomackie-Straße aufgetreten sein; es existieren Bilder mit und ohne falsches Genitiv-Apostroph; im Nachlass des Polen Bernard Jędryk aus dem oberschlesischen Siemianowice/ Laurahütte (auch der Geburtsort des Schlagerkomponisten Michael Jary) wiederum hat sein Enkel Fotos mit einem »The Jolly Boy‘s Band«-Schlagzeug entdeckt (nach Ansicht des Enkels ist sein Opa der Schlagzeuger auf dem linken Bild unten); und in der Nähe, im polnischen Będzin, hatten ein paar jüdische Jugendliche bis zum Einmarsch der Deutschen eine A-cappella-Gruppe, die sich ebenfalls »Jolly Boys« nannte; über Leon Schwarzbaum (1921–2022), ein Mitglied dieser Truppe wurde sogar ein Film mit dem Titel »Der letzte Jolly Boy« gedreht. Doch all diese lustigen Jungs haben mit der Krakauer Band der Brüder Sperber nichts zu tun.

Fotos aus Siemianowice

Es ist kaum genau herauszufinden, wer, wann und wo überhaupt Mitglied der Truppe war, und wer mit nach Persien gereist ist. Folgend zwölf Musiker, die gesichert – zeitweise oder dauerhaft – zu den Krakauer »Jolly Boys« der Brüder Sperber gehörten; zumindest die ersten vier waren auch in Teheran dabei waren:

1. Stanisław »Stan« S(z)perber (1891 Kraków – 1997 Kanada): Stan war Geiger und Sänger und hat zusammen mit Nr. 5 die Band gegründet. Er ist vom Iran aus weiter nach Kanada emigriert.

2. Szymon Simcha Heliszkowski (vor 1900 – nach 1948): Er war Pianist und Komponist, umd 1947 noch an Plattenaufnahmen in Teheran beteiligt und hat vor dem Krieg auch bei Adolf »Ady« Rosner gespielt, über den siehe hier: https://yupedia.blog/2023/09/27/der-jazzende-zar-aus-dem-gulag/

3. Baruch Izak »Igo« Krischer (1906 Tarnów –1993 USA): Der Schlagzeuger, Sänger und Komponist hatte Anfang der 30er-Jahre in Kraków auch eine eigene Band (mit J. Schüssler, H. Kessler und H. Lewak). Nach dem Krieg verließ er Teheran Richtung Palästina und diente nach der Staatsgründung in der israelischen Armee. Später zog er nach New York, machte weiter Musik und pendelte zwischen den USA und Israel

Krischer hat Dokumente, wie hier Plattenwerbung für einen Song von ihm, aufgehoben, die heute im USHMM liegen.

4. F. Sokolow: Er gehörte in Teheran zur Bandi; mehr ist über ihn nicht zu finden

5. Henryk S(z)perber (1889 Kraków – ?): Der Saxophonist war der Bruder von Nr. 1 und Mitgründer der Band. Für ihn lässt sich nach 1939 bislang kein seriöser Beleg mehr finden. Möglicherweise war er es, der – siehe oben – 1940 im Warschauer Ghetto als Teil der »Jolly Boys« aufgetreten ist oder war er der Henryk Sperber, der im Januar 1943 im Krakauer Ghetto als Mitglied der jüdischen Kampforganisation ZOB gefallen ist? (beides nur Vermutungen)

6. Witold Rowicki (1914–1989): Der spätere Dirigent war als Student in Kraków Teil der Band, aber nur kurz dabei.

7. Zygmunt Berlandski (aka Sigmunt Berland, 1896–1980): Saxophonist und Komponist; von ihm gibt‘s auch einen witzigen jiddischen Nachkriegstitel: »Der Rebbe mit di Schikse« und das bekanntere »Wohin sol ich gejn?« (»Where can I go«), vor allem aber »Exodus 1947« (ursprünglich »Geschen« – »Es wird geschehen«), das den jüdischen Flüchtlingen gewidmet war, die auf der »Exodus« nach Palästina gekommen und von den Briten zurückgeschickt worden waren (Text: Shmerke Kaczerginski).

8. Julian Hutner (Hütner): Trompeter; mehr war über ihn nicht zu finden

9. Władysław Figiel (1910 Lutcza – 1968 Warszawa): Trompeter, während der Okkupation Mitglied der Armia Krajowa (Heimatarmee), hat auch bei Henryk Gold und Jerzy Petersburski gespielt, über diese beiden siehe hier https://yupedia.blog/2024/03/17/der-letzte-tango-in-treblinka/

10. Franciszek Górkiewicz (1907 Głębowice – 1989 Warszawa): Trompeter und Violinist, hat wie Nr. 2 auch bei Ady Rosner gespielt

11. Bronisław Stasiak (1911 Tuszyn – 1970 Stowe Vermont): Er war Trompeter und Akkordeonist, »König des Jazz« in Warschau, »politischer« Häftling in Auschwitz und dort in der Lagerkapelle. Die Angabe in polnischen Quellen, er sei 1943 in Buchenwald ermordet worden, ist falsch. Er hat 1964 bei den Auschwitz-Prozessen in Frankfurt ausgesagt und in den USA gelebt.

12. Abram Bajgelman (aka Artur Baigelman aka »A. Bay«, 1889 Łódź – 1944 Auschwitz): Der Pianist und Komponist ist nicht nach Teheran mitgefahren und wurde mit fast der gesamten Familie ermordet. Der einzig überlebende Bruder Chaim (Henry) hat die Band, die er 1945 in einem deutschen Lager für »Displaced Persons« gegründet hat, zu seinen Ehren und in Anlehnung an dessen »Jolly Boys« dann »Happy Boys« genannt.

Die Broschüre „Ostatnie Przeboje“ („Die letzten Hits“) der Jolly Boys enthält Fotos des „Kapellmeisters“ Stan Sperber und des Hauskomponisten „Artur Bay“

Die Bandgründer Stanisław und Henryk Szperber (Nr. 1 und 5) hatten übrigens noch zwei recht bekannte Brüder. »Stans« Zwillingsbruder Wacław war Jurist, Journalist und Offizier der polnischen Arme und gehörte ab 1942 dem Stab von General Sikorski in London an. Beider älterer Bruder Józef war Maler und Bühnenbildner; er wurde 1940 vom sowjetischen NKWD verhaftet und mutmaßlich ermordet.

The Jolly Boys Band, 1930er Jahre, Zakopane

Aber wie ging es mit den »Jolly Boys« nach dem Beginn des Krieges in Teheran weiter? Viel wissen wir nicht. Sie wurden als Hauskapelle im »Palace Hotel« engagiert, einem der luxuriösesten Etablissements im Botschaftsviertel. Das Hotel beherbergte auch ein Kino und gehörte zu den beliebtesten Unterhaltungsstätten für die amüsierfreudige iranische High Society und die wachsende Zahl von Soldaten, Diplomaten und anderen Ausländern, die der Krieg ins Land brachte. Die Jungs aus Kraków traten hier zusammen mit einheimischen Künstlern wie dem Sänger Hamid Ghanbary, der (armenisch-stämmigen) Sängerin Sonia Vartanian und einer Sängerin namens Mina auf, denn das Publikum wollte schließlich Lieder auf Persisch und nicht auf Polnisch hören.

Die Jolly Boys im Garten des Palace Hotels
Visitenkarte des Schlagzeugers und Sängers »Igo« Krischer auf Englisch und Farsi
Das Palace Hotel, Istanbul-, Ecke Lalehzar Avenue um 1934

Die Boys spielten daneben auch im Ritz-Hotel, einem anderen Hotspot der internationalen Gäste. Hier trat der noch sehr junge armenische Sänger Vigen Derderian (der spätere »Sultan of Jazz« und »King of Iranian Pop«) während der Pausen der Jolly Boys auf, wie einer Zeitungsmeldung zu entnehmen ist. Und bald bekam die Truppe unerwarteter Weise auch ein großes Publikum, das sie in ihren Muttersprachen Polnisch und Jiddisch unterhalten konnte. Denn es kamen Zehntausende polnische Flüchtlinge im Land an…

Im Sommer 1941 hatten die alliierten Streitkräfte den Iran besetzt, weil der enge Handelsbeziehungen zu NS-Deutschland und faschistische Sympathien hegte und weil man den Öl-Nachschub durch den Iran in die Sowjetunion sicherstellen wollte. Reza Schah wurde zur Abdankung gezwungen und durch seinen Sohn Mohammad Reza Pahlavi ersetzt, auf dessen Hochzeitsparty die »Jolly Boys« gespielt hatten; der Iran wurde in Besatzungszonen unter britischer Kontrolle im Süden und sowjetischer im Norden aufgeteilt; außerdem gab es ein kleineres Kontingent US-amerikanischer Truppen. 

Die Sowjets wiederum waren 1939, als (Noch-)Verbündete Hitlers, ihrerseits in Polen eingefallen und hatten über eine Million Polen, darunter etwa 80.000 Juden ins Landesinnere deportiert. »Klassenfeinde«, Großgrundbesitzer, Adlige, Militärs, Lehrer und die intellektuelle Eliten wurden verhaftet und Unzählige ermordet. Nachdem Hitler-Deutschland im Juni 1941 die Sowjetunion, ihren vorherigen Verbündeten angegriffen hatte, und die sich den Alliierten angeschlossen hatte, kam es zu einem Abkommens zwischen der polnischen Exilregierung und der sowjetischen Führung, das zur Freilassung der polnischen Gefangenen führte, die sich zu großen Teilen dann der »Anders-Armee« unter General Władysław Anders anschlossen. Hier spielt übrigens auch die Geschichte von Wojtek, dem Bär, siehe: https://yupedia.blog/2024/03/26/die-abenteuer-des-braven-soldaten-wojtek/

Der Iran war das nächstgelegene Gebiet außerhalb der Sowjetunion, das vollständig unter Kontrolle der Alliierten stand, und somit der einzige Ausweg für die Freigelassenen aus Polen. Die, die auf den Tausenden Kilometern Weg nicht verhungert, erfroren oder an Krankheiten gestorben waren, wurden 1942 auf Containerschiffen über das Kaspische Meer zum iranischen Hafen Bandar Anzali gebracht. Ein Teil wurde in Städte wie Isfahan und Ahvaz untergebracht oder in Flüchtlingslager in Indien und Afrika weitergeschickt, doch die meisten blieben in der Hauptstadt Teheran.

Polnische Flüchtlinge in einem Auffanglager im Iran, 1942

Die genauen Flüchtlingszahlen sind nicht bekannt; sie schwanken zwischen 115.000 (nach offiziellen Angaben der Sowjets, denen an einer niedrigen Zahl der Deportierten und Inhaftierten gelegen war) und 400.000 (nach Angaben der Iraner, die ein Interesse daran hatten, die Zahlen zu übertreiben), aber sie wuchsen mit der Flucht von Juden aus dem besetzten Osteuropa und der Sowjetunion noch an.

Die größte polnische (katholische und jüdische) Gemeinde bestand in Teheran. Während sich die meisten Soldaten der Anders-Armee den alliierten Streitkräften anschlossen, blieben die Zivilisten, vor allem Kinder und Frauen in der Stadt. Sie schlugen sich als Krankenschwestern, Sekretärinnen, Köchinnen, Hausangestellte, Kellnerinnen durch, oder eröffneten Schönheits-, Frisier- und Modesalons nach europäischem Geschmack und trugen zu dem kosmopolitischen Umfeld bei, das die Stadt in den 1940er-Jahren prägte.
Nur wenige Monate nach ihrer Ankunft hatten die Exilanten im gesamten Stadtgebiet auch bereits Theater, Galerien und Cafés eröffnet, die zunächst die polnische Gemeinde bedienten, bald aber auch von den alliierten Soldaten und der iranischen Mittelschicht frequentiert wurden. (Da viele nach dem Krieg nicht nach Polen zurückkehrten, sondern, so sie nicht in das britische Mandatsgebiet Palästina wechselten, im Iran blieben, bestanden etliche polnischen Einrichtungen aus der Kriegszeit – wie Nachtclubs, Kirchen und Synagogen – in Teheran noch bis zur »Revolution« 1979).

Jüdische Mädchen aus Polen in Teheran (USHMM/ David Laor)

Die »Jolly Boys« hatten in den polnischen und jüdischen Geflüchteten ein dankbares Publikum. Sie bedienten ihr Heimweh und sie traten an allen Treffs der polnischen Exil-Gemeinde und der Anders-Armee auf. Die legendärste Institution des »polnischen Iran« war das Café und Restaurant »Polonia« an der Lalehzar-Avenue im Teheraner Vergnügungsviertel (nicht zu verwechseln mit dem »Polonia Café« in Isfahan, das bis heute existiert), gleich um die Ecke vom Palace Hotel. Unsere »fröhlichen Jungs« spielten hier bereits am Eröffnungsabend, wie einer Anzeige in der damaligen Tageszeitung »Ettela’at« vom 10. Ordibehesht 1321 (30. April 1942) zu entnehmen ist. Und hier tummelten sich bald Iraner, Emigranten, britische und amerikanische Soldaten – und polnische Mädchen. In den iranischen Zeitungen erschienen regelmäßig Konzertankündigungen, so zu einem Tanzabend im Café-Restaurant »Shamshad«, aber auch kritische Meldungen, unter anderem die Befürchtung, die Polen würden die einheimische Bevölkerung durch ihre Gewohnheiten und Freizeitaktivitäten – wie Tanzen und Alkoholkonsum – moralisch verderben. 

Die noch auffindbaren Spuren der »Jolly Boys« in Teheran sind leider spärlich; gewiss ist nur, dass die Band nach dem Krieg noch einige Jahre im Iran geblieben ist. Zeitungsanzeigen erwähnen sie 1948 als Mitwirkende bei einem »Tea Dance« im Railways Club und bei einer Spendenveranstaltung in einem Teheraner Offiziersklub. Und die Jungs nahmen Schallplatten auf. Glücklicherweise sind wenigstens drei Schellack-Aufnahmen von 1947 erhalten:

Auf der ersten Platte singt der Iraner Hamid Ghanbary zur Melodie von »La Paloma« von Sebastian Iradier, »Kabootar«, einen persischen Text von Parviz Khatibi (»Ich gab dir mein Herz, auf dass du meine Geliebte seist…«) und auf der Rückseite hören wir »Solamente una vez« von Agustin Lara. 
Anhören: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn613016

Auf der zweiten Platte spielen die »Jolly Boys« einen »Oriantal [kein Schreibfehler]-Tango« und »Kiedy«, eine polnische Vorkriegsschnulze von und mit Szymon Heliszkowski und Stan Sperber, übersetzt: »Wann werde ich hier endlich glücklich sein? Wann kehrst du zu mir zurück? Glück, oh, das bist nur du für mich. Nur du allein kannst meine Träume erfüllen. Das Herz sehnt sich immer nach Liebe. Das Herz ist Glück und Quell. Wenn ich diesen Satz höre,  flüstere ich: »Liebling, du gehörst für immer mir.« (»Kiedy tu znajdę szczęście, kiedy / Kiedy powrócisz do mnie, kiedy. / Szczęściem, ach, jesteś tylko dla mnie ty / Ty jedna możesz spełnić moje sny. // Serce miłości zawsze pragnie, Serce to jest szczęście, zdrój. / Kiedy usłyszę to zdanie / Szepnie słowo »kochanie, / Tyś na zawsze mój«).
Anhören: https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn708927

Die dritte Aufnahme habe ich auf einer persischsprachigen Internetseite gefunden; laut Deepl-Übersetzung heißt das Lied »Atel Metel«, der Text sei humoristisch und von dem persischen Dichter Karim Fakour (eventuell handelt sich um den persischen Kinderreim »Atel metel toutouleh, wo ist Hasans Kuh?…«) und der Komponist sei ein »Eston Asperber«:
Anhören: https://youtu.be/8kOxM2L_pqI?si=KirQ1fh1xiVCNfz9

Lalehzar-, Ecke Istanbul-Avenue, 1946

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