Manès Sperber *12. Dezember 1905
Ein schlechter Friedensschluß ist der Vater jedes neuen Krieges.
Das größte Leid ist das, was sich der Mensch selbst antut. Das sicherste Unterpfand unserer Menschlichkeit bleibt der Mut zur Unvollkommenheit.
Der besiegte Feind gleicht selten jenem, den es zu besiegen galt. Er erinnert einen an das Elend, das man selber erlitten hat.
Es besteht kein Zweifel daran, daß ausnahmslos jedes Regime, auch das abscheulichste und verhaßteste, immer so viele dienstfertige Intellektuelle finden konnte, als es zu brauchen glaubte.
Jedes Experiment im Leben ist schon das Leben selbst, es gibt keine Wiederholung.
Die Tyrannis – das ist: der Tyrann und die ihn machen.
Gleichgültigkeit ist die sicherste Stütze aller Gewaltherrschaften.
Hinter jedem einzelnen, der sich opfert, stehen andere, die opfert er mit – ohne sie zu fragen, ob sie es wollen.
Rechtsbewußtsein entsteht durch ein Unrechtserlebnis.
Dieses Jahrhundert war eine Kette fortgesetzter Prüfungen, für die niemend im voraus vorbereitet sein konnte. Bestanden hat diese Prüfungen niemand. Überstanden haben sie zahllose Millionen, die unsagbares Unglück erbten und es möglichst schnell vergessen wollten.
So entscheiden wir uns denn dafür, weder Heilige noch Weise noch Helden zu sein; das heißt, daß man bei sich wie bei anderen die menschlichen Unzulänglichkeiten als eine Tatsache hinnimmt. Denn wer die Menschheit nicht mit der liebevollsten Geduld betrachtet, der hat nichts von ihr verstanden und wird unausweichlich ihr Feind werden.

